Die Dokumentation, „Der gekaufte Patient“, die am 9. Mai 2016 auf ARD veröffentlicht wurde, berichtet über die teils sehr kritisch zu betrachtenden Strategien der Pharmaindustrie beim Vermarkten “neuer Medikamente“ sowie deren Einfluss auf die Therapien von Patienten.

Insbesondere Patientenverbände sind Ziel dieser Marketing-Strategie, um „neue“ Medikamente, deren Wirksamkeit in mindestens 60% der Fälle nicht besser ist, als bei den Vorgängermedikamenten, zu verkaufen.

Eigentlich sollte man doch von Patientenverbänden und Selbsthilfegruppen unabhängige Beratung, Informationen und Hilfe im Bezug auf ein Krankheitsbild und dessen mögliche Therapie erwarten können. Leider ist das keine Selbstverständlichkeit, wie die Dokumentation anhand mehrerer Beispiele verdeutlicht!

 


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Wie kann ein Patientenverband unabhängig sein, wenn er von einem Pharmaunternehmen Spenden in gewaltiger Höhe erhält? Die Patientenverbände selbst berufen sich als Antwort auf die entsprechenden Leitlinien. Natürlich kann man in den eigenen Leitlinien Kriterien für die Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie  festlegen, beispielsweise dass die Pharmaunternehmen keinen Einfluss auf die Therapieempfehlungen nehmen dürfen. Aber wer überprüft die Einhaltung dieser Leitlinien? Bedauerlicherweise ist diese Antwort eindeutig: jeder Verein, jede Organisation, jede Initiaive prüft sich selbst! Die Unabhängigkeit ist somit mit großen Fragezeichen zu versehen.

Die Dokumentation geht weiteren interessanten Fragestellungen auf den Grund:

  • Warum sind nur bestimmte Patientengruppen/Verbände als „Spendenempfänger“ für die Pharmaindustrie interessant?
  • Wie kann eine europäische Patienteninitiative unabhängig Patienten schulen, wenn diese zur Hälfte von der Pharmaindustrie finanziert wird?
  • Warum gibt es Patientenverbände, die eine Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie ablehnen?
  • Wie kann ich als Patient sicher sein, dass ich unabhängig informiert werde?

Unser Fazit:

  • Gelder werden benötigt: Forschung ist wichtig, aber der Patient muss wissen, wer die Studien finanziert bzw. daran mitwirkt (wenn auch „nur“ durch großzügige Spenden).
  • Gelder von der Pharmaindustrie machen es für Vereine/Verbände schwer unabhängig zu bleiben – was nicht heißt, dass es unmöglich ist.
  • Es gibt glücklicherweise auch Selbsthilfegruppen/Vereine/Initiativen, die sich offiziell gegen eine Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie entschieden haben.

Letztendlich zählt der wachsame und gesund-kritischer Geist des Verbrauchers bzw. des Patienten! Der Patient kann hinterfragen, warum ein bestimmtes Medikament, eine Studie oder eine Therapie empfohlen wird und wer an dieser Entscheidung beteiligt ist und dann entscheiden! Das bedeutet natürlich Arbeit, aber es gilt abzuwägen, in wie weit wir mit dem „System“ laufen wollen oder bewusst entscheiden, welchen Gruppen und Initiativen wir bei der Erhaltung unserer Gesundheit oder bei unserer Gesundung vertrauen.

Übrigens, falls Sie eine unabhängige Initiative zum Thema Multiple Sklerose suchen, dann schauen Sie doch mal beim Projekt Life-SMS der Deutschen Stiftung für Gesundheitsinformation und Prävention vorbei.


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von Caroline Walter, Alexander Kobylinski

Erscheinungsjahr 2011


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