Als Krebspatient mit dem Fahrrad über die Alpen? – Bedeutung von Bewegung und Sport in der Onkologie

Anno Jordan

Studium der Kernphysik Universität Köln, langjährige und heute andauernde Tätigkeit in IT- und Maschinenbauunternehmen. Projektmanagement der Initiative Life-SMS seit 2013. Publikationen und Beratung zu Präventionsaspekten und Lebensstileinflüssen bei Autoimmunerkrankungen (u.a. auch der MS). Die Arbeit schließt den systemischen Blick auf das Immunsystem als nichtlineares komplexes adaptives System mit ein und greift auf Ansätze aus der Physik zurück.
Anno Jordan

Aus der Vortragsreihe des 4. Kongresses für menschliche Medizin 2017, Schwerpunktthema Krebserkrankungen, Petra Wirtz, Sporthochschule Köln/Universitätsklinik Köln

Der Einfluss von Bewegung, Training und Sport auf die Entstehung und den Verlauf von bösartigen Tumorerkrankungen wird schon lange untersucht. Schon vor 20 Jahren wurden Studien veröffentlicht, die sportlich aktiven Personen ein vermindertes Risiko für eine Krebserkrankung attestierten. Inzwischen liegt eine große Zahl von Studien vor, die den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Krebs bestätigen. Schon Ende 2002 gab die amerikanische ernährungswissenschaftliche Zeitschrift „Journal of Nutrition“ einen Überblick über 170 einschlägige Studien, die alle eine Verminderung des Krebsrisikos bei sportlich aktiven Personen zeigten.

Die Literatur zeigt eindeutig, dass körperliche Aktivität signifikante primärpräventive Effekte in Bezug auf verschiedene Krebsarten hat. Zur Untersuchung dieser Effekte ist für die verschiedenen Krebsarten jeweils ein krankheitsspezifischer Ansatz erforderlich, um die Mechanismen hinter diesen Auswirkungen zu verstehen. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass körperliche Aktivität während der Tumortherapie zu einer Verringerung der Fatigue führen kann, die Lebensqualität und die körperliche Leistungsfähigkeit gesteigert wird und eine Verringerung der Behandlungs-assoziierten Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Übelkeit, Schlaflosigkeit und Schmerzen feststellbar ist. Sofern keine relevanten Kontraindikationen vorliegen, muss daher die körperliche Aktivität während der laufenden Behandlung als eine wirksame Unterstützung der Therapie ohne negative Auswirkungen verstanden werden. Die Prognose einiger maligner Erkrankungen kann durch körperliche Aktivität während der Nachsorge positiv moduliert werden. Darüber hinaus spielen Sport, Training und körperliche Aktivität aufgrund der mehrdimensionalen Effekte in Bezug auf Komorbiditäten eine zunehmende Rolle in der Nachsorge und zwar unabhängig vom Einfluss auf die Prognose der Primärerkrankung.

Ganz wichtig ist auch sportliche Aktivität vor einem Eingriff oder einer Chemotherapie. Daraus ergibt sich ein neuer Begriff: Prehabilitation. Mehr dazu im Vortrag von Petra Wirtz...

https://www.youtube.com/watch?v=JNuO2xiweY4&list=PLRCTCP0lqxWwkJkpB0lt0KuMwWxLZM1tH&index=6

Die vollständigen Informationen zum Kongress 2017 und die Videodownloads gibt es hier....

Fazit:

Die positiven Effekte von physischer Aktivität zur Primärprävention bestimmter Krebsarten können heute als sicher nachgewiesen angesehen werden. Unter Berücksichtigung möglicher Kontraindikationen, wirken Sport und Training als eine wirkungsvolle Unterstützungstherapie in der Krebsbehandlung und schaden den Patienten keinesfalls. Zudem kann von einem positivem Einfluss auf die Prognose von bestimmten Krebsarten ausgegangen werden. Darüber hinaus sind mehrdimensionale Auswirkungen auf der physiologischen (körperliche Leistungsfähigkeit), psychologischen (Depression) und sozialen (Reintegration) Ebene und gleichzeitig ein Anstieg der Lebensqualität zu erwarten. Dies unterstreicht die Bedeutung von Sport und physischer Aktivität in der Nachsorge von Krebspatienten. Zusammengefasst kann Sport und Training in allen Phasen der Krebserkrankung empfohlen werden.