Lachs und Blaubeeren: Ernährung für Clevere und solche die es bleiben wollen

Anno Jordan

Studium der Kernphysik Universität Köln, langjährige und heute andauernde Tätigkeit in IT- und Maschinenbauunternehmen. Projektmanagement der Initiative Life-SMS seit 2013. Publikationen und Beratung zu Präventionsaspekten und Lebensstileinflüssen bei Autoimmunerkrankungen (u.a. auch der MS). Die Arbeit schließt den systemischen Blick auf das Immunsystem als nichtlineares komplexes adaptives System mit ein und greift auf Ansätze aus der Physik zurück.
Anno Jordan

Auch wenn Lachs und Blaubeeren vielleicht nicht oft bei Ihnen gemeinsam auf den Teller kommen, haben beide das Potenzial, die Gehirnleistung zu steigern, aber auf unterschiedliche Weise.

Eine randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Studie, die insgesamt 24 Wochen andauerte und im April 2018 in Neurobiology of Aging veröffentlicht wurde, bestätigt, dass Ihr Gehirn messbar von den Anthocyanen in Heidelbeeren und den Fettsäuren im fetten Seefisch profitieren kann.

Die Studienautoren schlussfolgerten:

“Die Verbesserung der wahrgenommenen Funktionsfähigkeit deutet darauf hin, dass mit Fischöl und mit Heidelbeeren behandelte Teilnehmer eine signifikante Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten erfahren haben”, ein bemerkenswerter Befund, da subjektive kognitive Beschwerden ein Einschlusskriterium für die Teilnahme an der Studie waren.

Auch wenn die Kombination von Omega-3-Fettsäuren und Heidelbeeren nicht zu einer exponentiellen Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit bei den 76 Studienteilnehmern führte, bestätigt dies die schon seit langem berichtete gesundheitsfördernde Wirkung der über die Nahrung aufgenommenen Verbindungen.

An der Studie waren immerhin 94 Personen, die zwischen 62 und 80 Jahre alt waren und unter einem "milden, selbst erkannten" kognitiven Verfall litten, beteiligt. Die Studie schloss Menschen, bei denen Alzheimer oder andere kognitive Probleme diagnostiziert wurden aus und keiner der Beteiligten nahm bereits Nahrungsmittelergänzungen oder Medikamente gegen Demenz ein.

Welche Art von Omega-3-Fettsäuren und welche Art von Heidelbeeren?

Die Teilnehmer wurden in eine von vier Gruppen eingeteilt: 19 in der Heidelbeergruppe; 17 in der Fischölgruppe; 20 erhielten sowohl Fischöl als auch Heidelbeeren und weitere 20 erhielten ein Placebo. Gefriergetrocknetes Heidelbeerpulver wurde für den Anthocyanin-Versuch verwendet. Die Omega-3-Fettsäuren wurden in Form von Fischölkapseln verabreicht.

Die in der Studie verwendeten Fischölkapseln enthielten 400 mg EPA (Eicosapentaensäure) und 200 mg DHA (Docosahexaensäure). Die Teilnehmer nahmen zwei Kapseln zum Frühstück und zwei zum Abendessen ein, also 1,6 g EPA und 0,8 g DHA täglich.

Während der Versuchszeit wurden die Heidelbeer-Probanden angewiesen, eine Dosis einzunehmen, die einer Tasse Heidelbeeren pro Tag entspricht. Frühere Studien zeigten, dass darüber der optimale kognitive Nutzen erzielt werden kann.

Die Ergebnisse waren auch für die Forscher überraschend:

Aus der Auswertung der kognitiven Testergebnissen leiteten die Forscher ab, dass zwei Gruppen

  • die Fischöl mit Heidelbeer-Placebo-Gruppe und die
  • die Heidelbeere mit Fischöl-Placebo-Gruppe

jeweils weniger kognitive Symptome aufwiesen. Die Heidelbeergruppe zeigte zudem eine verbesserte Gedächtnisdiskriminierung, was die Forscher zu dem Schluss brachte, dass die Supplementierung die Kognition verbesserte.

“Nach 24 Wochen Behandlung stellten wir fest, dass sowohl die Fischöl als auch die Blaubeer-Gruppe ein geringeres Maß an kognitiver Ineffizienz bei den Aktivitäten des täglichen Lebens aufwiesen. Diese Effekte sind im Kontext einer Stichprobe von kognitiv ungestörten älteren Erwachsenen mit subjektiven kognitiven Beschwerden von Interesse und zeigen, dass ein sinnvoller kognitiver Nutzen [aufgrund der Supplementierung] zur Verbesserung der Funktionsfähigkeit beigetragen hat.”

Eine "Überraschung" war wiederum, dass die Kombination der bereits erprobten Wirkstoffe nicht mit zusätzlichen signifikanten Verbesserungen verbunden war, was die Frage aufwirft, warum die Addition der Vorteile nicht eintrat. Die Wissenschaftler konnten diese Frage leider auch nicht beantworten.

Fazit:

Sowohl Blaubeeren (und andere dunkle Beerenfrüchte) als auch die im fetten Seefisch enthalten Omega 3-Fettsäuren haben einiges Potenzial bei der Behandlung milder kognitiver Einschränkungen und in der Prävention von neurodegenerativen Erkrankungen, sofern genügend hohe Dosen verzehrt werden. Da die Wirkungsmechanismen und auch die weiteren gesundheitlichen Vorteile bei beiden Nahrungsmittelkategorien unterschiedlich sind, empfiehlt sich die regelmäßige Aufnahmen beider Nahrungsbestandteile, auch wenn eine zusätzliche Verbesserung in Bezug auf die kognitive Leistung nicht zu erwarten ist. Sie müssen also Lachs und Blaubeeren nicht gleichzeitig servieren!

Quelle:

McNamara, R.K., Kalt, W., Shidler, M.D., McDonald, J., Summer, S.S., Stein, A.L., Stover, A.N., Krikorian, R., Cognitive response to fish oil, blueberry, and combined supplementation in older adults with subjective cognitive impairment, Neurobiology of Aging (2018), doi: 10.1016/j.neurobiolaging.2017.12.003.


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Der Kongress für menschliche Medizin

Die Aufzeichnung aller Vorträge der Kongresse 2015 bis 2018 als Download

Update 2018: Autoimmunerkrankungen

Update 2017: Krebs

Update 2016: Demenz

Update 2015: Umwelt

von Dr. med. Volker A. Schmiedel

Erscheinungsjahr 2017

von Mary T. Newport, Helga Rohra (Vorwort), Rotraud Oechsler (Übersetzer)

Erscheinungsjahr 2014