Ketogene Ernährung: Hype oder Hope?

Anno Jordan

Studium der Kernphysik Universität Köln, langjährige und heute andauernde Tätigkeit in IT- und Maschinenbauunternehmen. Projektmanagement der Initiative Life-SMS seit 2013. Publikationen und Beratung zu Präventionsaspekten und Lebensstileinflüssen bei Autoimmunerkrankungen (u.a. auch der MS). Die Arbeit schließt den systemischen Blick auf das Immunsystem als nichtlineares komplexes adaptives System mit ein und greift auf Ansätze aus der Physik zurück.
Anno Jordan

Das Gehirn ist der energetische Großverbraucher im menschlichen Körper (ca. 25% des Gesamtenergieverbrauchs gehen auf das Konto unseres Oberstübchens). Besonders einfach kann diese Energie über den Blutzucker (Glukose) bereitgestellt werden. Ein großes Problem in der heutigen westlichen Ernährungsweise ist die Überflutung des Körpers mit Zucker. Von 1852 bis heute ist jedoch der pro Kopf-Verbrauch von raffiniertem Zucker in Deutschland (wie in allen Industrieländern) nahezu exponentiell angestiegen und zwar um einen Faktor 15. Dies führt sehr häufig zu einer Kapitulation des menschlichen Stoffwechsels. Das dramatische Ansteigen von Diabetes Typ 2 und vielen anderen entzündlichen Erkrankungen seit der Mitte des letzten Jahrhunderts sind die katastrophale und teure Folge der Zuckersucht!

Dabei ist die Versorgung mit Zucker nicht essentiell. Energie kann auch über Stoffwechselvorgänge in der Leber in Form von Ketonkörpern bereitgestellt werden.

Ketokörper oder auch Ketonkörper ist die Sammelbezeichnung für drei Verbindungen, die vor allem im Hungerstoffwechsel (Fasten, Reduktionsdiät oder kohlenhydratarme Ernährung) in der Leber gebildet werden und unter Umständen zu einer physiologischen Ketose führen (nicht zu verwechseln mit einer lebensbedrohlichen Ketoazidose z.B. im Zusammenhang mit einem Diabetes mellitus und Insulinmangel). Unter Ketokörpern fasst man Acetoacetat (auch Acetacetat genannt), Aceton und β-Hydroxybutyrat bzw. 3-Hydroxybutyrat zusammen. Letztere Verbindung ist die Bedeutendste der drei. Die im Hungerstoffwechsel in der Leber gebildeten Ketonkörper stellen aber lediglich eine alternative Transportform der Energie dar. Nach Aufnahme durch die Zelle (ZNS und Muskelgewebe) werden die Ketonkörper über Enzyme in Acetyl-CoA und den Citratzyklus wieder in den Zellbrennstoff ATP umgewandelt. Dies ist der Grund dafür, dass der Mensch auch bei stark reduzierter Kohlehydratzufuhr über die Fettumwandlung in der Leber überleben kann und erklärt die heilsame und entschlackende Wirkung des Fastens.

Ketonkörper können aber auch direkt über die Nahrungsaufnahme gebildet werden, ohne den Umweg über den Hungerstoffwechsel gehen zu müssen. Eine Möglichkeit dafür bietet die Ernährung mit sogenannten MCTs (MediumChainTriglycerides). Anstatt den mühevollen und langwierigen Weg über die Lymphflüssigkeit zu nehmen, werden MCTs dank ihrer kompakten Größe von unserem Körper direkt vom Verdauungstrakt (Darm) über das Blut zur Leber befördert und zu energetischen Zwecken verstoffwechselt. Damit sind MCTs schnelle, den Stoffwechsel ankurbelnde Energieträger, die entweder unmittelbar zur Deckung des Energiebedarfs – etwa in der Skelettmuskulatur – verbrannt oder zur Produktion von Ketonkörper verwendet werden (siehe Abbildung Fettstoffwechsel).

Ketogene Ernährung bezeichnet also eine streng kohlenhydratarme Ernährungsform, die gleichzeitig reich an Fetten und Proteinen ist.

Im aktuellen Spitzen-Gespräch zum Thema "Ketogene Ernährung - Hype oder Hope" diskutiert Prof. Dr. med. Jörg Spitz gemeinsam mit Josephine Barbarino die Fakten rund um eine ketogene Ernährung und insbesondere die Anwendung als kraftvolle medizinische Maßnahme bei den verschiedenen chronisch entzündlichen Erkrankungen.

> Zum Video auf YouTube <

https://youtu.be/BRafooduSWE

[https://www.keto-live.com/events]

Selbstverständlich ist auch die ketogene Ernährung kein Wundermittel oder eine Wunderdiät. Sie sollte von fachkundigen Therapeuten oder Ärzten begleitet werden und stellt nicht für jede Patientin oder Patienten eine machbare Alternative dar. Bei sachkundiger Bewertung der persönlichen Stoffwechselsituation kann sie jedoch ein machtvolles Mittel bei der Behandlung chronischer Erkrankungen sein.


An dieser Stelle sei auch auf die 1. Internationale Keto Live Conference vom 10. - 14.6.2019 in Graubünden (Schweiz) hingewiesen. Führende internationale Wissenschaftler, praktizierende Ärzte, Ernährungsberater, Patienten und interessierte Laien diskutieren in dieser Woche Langzeitstudien, Behandlungserfolge und neueste Ergebnisse aus der Wissenschaft in Bezug auf die ketogene Ernährung.

Hier geht es zur Anmeldung und zu den Infos…

Die Konferenz ist mit 35 CME Credits zertifiziert vergeben von:
- Der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin SGAIM 17AMIG/MIG Credits (Kernfortbildung)
- Der Schweizerischen Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie SGED- SSED 12 Credits (Kernfortbildung)
- Der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft SNG 6 Credits (Kernfortbildung)
- Der Schweizer Gesellschaft für staatlich geprüfter Ernährungsberater und Diätberater 6 Weiterbildungspunkte

BANT-CPD The British Association for Nutritional Therapies and Lifestyle Medicine approved the Conference as Continuous Professional Development for 20 hours.

Der Bund Deutscher Heilpraktiker hat die Konferenz mit 25 Fortbildungspunkten + Evaluation für Heilpraktiker in Europa zertifiziert.
Beim European Accreditation Council for CME U.E.M.S.-EACCME®: LEE19-00565 zur Zertifizierung angemeldet.

von Mary T. Newport, Helga Rohra (Vorwort), Rotraud Oechsler (Übersetzer)

Erscheinungsjahr 2014

von Ulrike Gonder, Anja Leitz

Erscheinungsjahr 2015

von Ulrike Gonder, Julia Tulipan, Marina Lommel, Brigitte Karner

Erscheinungsjahr 2018