Wie hilfreich wäre es doch, wenn mehr Schulmediziner und Wissenschaftler mit Praxiswissen und einer fundierten wissenschaftlichen Ausbildung, die sich weder von Panikmache noch gefährlicher Ignoranz beeinflussen lassen, zu Wort kommen würden und ihre Expertise wesentlichen Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen würde.

Bestes Beispiel ist der Virologe Prof. Hendrik Streeck, der als Nachfolger von Prof. Drosten, heute Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn ist. 

Er zeichnet sich durch eine beeindruckende wissenschaftliche Karriere aus. Von der Charité sowie der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn über ein Postdoctorate Fellowship an der Harvard Medical School, eine Assistenzprofessur am Ragon Institute of Massachusetts General Hospital oder auch als Leiter der Abteilung zelluläre Immunologie am US Military HIV Research Program. 2015 folgte er dann dem Ruf nach Essen, wo er das Institut für HIV-Forschung gründete.

Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite betrifft seine praktische Erfahrung mit Epidemien schon während des Studiums. Im Jahr 2002 zum Beispiel in einem Krankenhaus in Toronto, als sich die Stadt zum Epizentrum der SARS-1-Pandemie entwickelte oder seine Zeit in Uganda und Südafrika im Zentrum der AIDS-Pandemie. 36-Stunden-Schichten im Chris Hani Baragwanath Hospital in Soweto hinterließen tiefe Erfahrungen mit Sterbenden und Schwerverletzten in für den Bundesbürger kaum vorstellbaren Situationen. Hendrik Streeck Gleichgültigkeit oder fehlendes Einfühlungsvermögen in das Schicksal von Sterbenden anzudichten, ist wirklich eine Unverfrorenheit.

Allen Lesern, die noch halbwegs an wissenschaftlicher Klarheit interessiert sind, sei daher die Lektüre des Buchs empfohlen, das den Werdegang der Pandemie in Deutschland ausgehend von der Gemeinde Gangelt beschreibt und darlegt, was bis dato über Fallsterblichkeit, Übertragungswege und sinnvolle Maßnahmen in dieser Pandemie bekannt ist. Daran wird auch der große Unterschied zwischen der objektiven und messbaren Gefährlichkeit und der subjektiven Bewertung deutlich. Diese Daten und Überlegungen sollten sich die Apologeten des Untergangs, die wir allabendlich in den Talkshows und auf der Politbühne sehen, bitte einmal in Ruhe zu Gemüte führen und verinnerlichen, bevor sie Hunderttausende in eine zunehmende Verzweiflung treiben.

Ein großes, von Prof. Streeck identifiziertes Problem, ist der Wettbewerbsgedanke in der Wissenschaft. Es geht oft nicht mehr nur darum, das bestmögliche Forschungsergebnis als Ergebnis einer gemeinsamen Arbeit zu präsentieren, sondern vor allem auch darum, der Schnellste zu sein und möglichst viel zu publizieren. Das untergräbt den Grundgedanken der Forschung und öffnet Eigeninteressen Tür und Tor. Wenn das Ganze dann noch politisiert wird, sind wissenschaftliche Ergebnisse, die nicht ins vorgefertigte Bild passen, plötzlich nicht mehr opportun, werden einfach nicht aufgenommen oder sogar als Teufelswerk dargestellt.

 

Fazit: Bleiben Sie hellwach, orientieren Sie sich an Wissenschaftlern und Medizinern, die einen breiten und gerne praktischen Erfahrungshorizont haben und machen Sie sich ein eigenes Bild. Helfen Sie mit, alle Ihre Möglichkeiten im persönlichen Umfeld zu nutzen, um dazu aufzurufen, dass Wissenschaft, wissenschaftlicher Diskurs und die dahinter stehenden Wissenschaftler ernst genommen werden und ihre Stimme gehört wird. Ihre Gesundheit - die seelische und körperliche - und die Ihrer Mitmenschen steht auf dem Spiel. 

In diesem Sinne bleiben Sie gesund und kritisch!

Ihre AMM