Zwei Wochen sind vergangen, seitdem die Akademie für menschliche Medizin zum Jahreskongress geladen hatte. Die Fachtagung fand in diesem Jahr ausschließlich Online statt und erfreute sich dem Interesse von mehr als 500 Teilnehmern. Auch zum dauerhaften Abruf steht das Kongressmaterial nun zur Verfügung.

Ein Rückblick

„Burnout & Depression“, so lautete in diesem Jahr der Titel des Kongresses für menschliche Medizin. Denn – so der wachsende Eindruck – gerade psychische Leiden nehmen derzeit stetig zu. Therapeuten und Psychologinnen berichten von überfüllten Wartelisten in ihren Behandlungspraxen, für Betroffene ist es oft schwer überhaupt noch einen freien Therapieplatz zu bekommen. Soweit die Alltagserfahrung.

Der Berliner Klinikarzt Prof. Dr. Tom Bschor hat sich die Zahlen genauer angeschaut und berichtete im Eröffnungsvortrag des Kongresses von seinen Erkenntnissen: Bschor warnt vor voreiligen Schlüssen und betont, dass harte Zahlen, die eine Zunahme psychischer Erkrankungen im Zuge der Lockdown-Maßnahmen belegen, bislang noch nicht vorliegen. Sehr deutlich steigen allerdings seit Jahren die Krankschreibungen aufgrund von Burnout. 

Gerade der Begriff Burnout beschreibt allerdings keine Diagnose im klinischen Sinne, sondern spiegelt vielmehr ein subjektives Erleben der Patienten wider. Oft bringt ein Burnout mehr Fragen als Antworten mit sich, die Ursachen für das Gefühl des Ausgebranntseins können so vielfältig sein, wie die Behandlungsoptionen. Genau dieses breite Spektrum deckten die Referenten der beiden Kongresstage im Folgenden ab.

Mikronährstoffe als Fundament für psychische Gesundheit

Den großen Block der Ernährungsfragen behandelten Prof. Dr. Clemens von Schacky, Prof. Dr. med. Jörg Spitz, Annett Oehlschläger und Uwe Gröber. 

Für langjährige Begleiter der Akademie für menschliche Medizin sicherlich kein Geheimnis: Auch für die Gesundheit des Gehirns und damit das geistige Wohlbefinden spielt Vitamin D eine herausragende Rolle. Das Sonnenhormon ist an derart vielen Steuerungsprozessen im Körper beteiligt, dass ein Mangel an Vitamin D fast immer zu Symptomen körperlicher oder psychischer Art führt. Doch damit ist das Thema der Mikronährstoffe längst nicht abschließend behandelt.

Immer deutlicher wird vor allem auch die wichtige Rolle der Omega-3-Fettsäuren für unseren Körper. Gerade im Bereich der Depressionen haben EPA und DHA es sogar bereits in die Leitlinienmedizin geschafft. Clemens von Schacky berichtete vom aktuellen Stand der Forschung. Eines der Kongress-Highlights bot zudem auch der Vortrag von Annett Oehlschläger, die ihr Programm „Stabilität kann man leben?!“ ebenfalls auf Grundlage aktuellster Forschungsarbeiten aufgebaut hat, vor allem aber aus Betroffenenperspektive und eigener Erfahrung berichten kann, welchen Einfluss Lebensstil-Faktoren – und damit in erster Linie auch eine abgestimmte, konsequente Mikronährstoff-Versorgung und bewusste Ernährung – auf das Krankheitsbild der Bipolaren Störung haben. 

Von der richtigen Atmung über den positiven Einfluss von Tieren zur psychischen Gesundheit als Lebensstil-Konzept

Eine moderne, lebenstilorientierte und vor allem menschliche Medizin schließt jedoch nicht mit der Supplementierung von Vitaminen und Spurenelementen ab. Dies ist allenfalls ein erster Schritt, um eine physische Grundverfassung zu gewährleisten, die chronische Krankheiten verhindern und heilen kann. Menschliche Medizin bedeutet im zweiten Schritt immer auch, den 360-Grad-Blick zuzulassen und weitere Lebensstilfaktoren zu untersuchen. In dem frei verfügbaren Essay "Spitzen-Gesundheit im Rahmen einer neuen Gesundheitskultur" der Deutschen Stiftung für Gesundheitsinformation und Prävention wird dieser Ansatz tiefergehend erläutert. 

Natürlich trug auch der Kongress für menschliche Medizin diesem Ansatz Rechnung. Fast schon im Antagonismus zu geltenden „Social Distancing“-Regelungen betonte der Berliner Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie Bruno Müller-Oerlinghausen die heilsame Kraft der Berührungen. Müller-Oerlinghausen ist sich sicher: Der Mangel an alltäglicher Nähe und zwischenmenschlichem Kontakt kann zu massiven psychischen Leiden und zu Entwicklungsschäden bei Heranwachsenden führen. Damit zeigte sich der erfahrene Mediziner weitaus weniger optimistisch hinsichtlich der Folgen der Lockdown-Maßnahmen, als Prof. Dr. Tom Bschor in seinem Eröffnungsvortrag. Gleichwohl eröffnen diese Erkenntnisse, die nicht zuletzt auch von der Neurobiologie gestützt werden, ein ganzes Set an möglichen Behandlungsmethoden bei Depressionen und Burnout, wie etwa therapeutische Berührungen und psychoaktive Massagen.

Für Tierfreunde sicher wenig überraschend: Auch ein vierbeiniger Begleiter kann eine hohe therapeutische Wirkung entfalten. Dem Ansatz der tiergestützten Prävention und Rehabilitation widmete sich der Verhaltensbiologe der Universität Wien, Prof. Kurt Kotrschal. In seinem spannenden Vortrag spannte Kotrschal den großen Bogen von Klassikern der Psychologie wie Sigmund Freud und Carl Gustav Jung zur Frage der besonders positiven Wirkung von Mensch-Tier-Beziehungen auf die seelische Gesundheit. 

Das Thema Atmung – umfangreich dargestellt von Dr. Maria Wolke –, Erfahrungen der musikgestützten Therapie von Diplom-Psychologin Elke Wünneberg und die Wirkung von Sexualhormonen auf die psychische Stabilität (Prof. Dr. med. Alfred Wolf) rundeten das Kongressprogramm ab, welches im besten Sinne als interdisziplinär bezeichnet werden kann. Viel Stoff für anschließende Diskussionen, welchen in zwei folgenden Feedbackrunden Raum gegeben wurde. 

Das digitale Vortragspaket

Alle Vorträge mitsamt der Präsentationsfolien im PDF-Format, den Diskussionsrunden, sowie weiterem Bonusmaterial können Sie jetzt auch zum dauerhaften Abruf in der Digitalwelt der Akademie für menschliche Medizin buchen. 

Wir sind davon überzeugt, dass dieses geballte, strukturierte Wissenspaket nicht nur für angehende oder praktizierende Mediziner, Therapeuten und Heilpraktiker von großem Wert ist, sondern auch für Betroffene oder interessierte Laien wichtige – und vor allem allgemeinverständliche – Impulse auf Grundlage des aktuellen Forschungsstandes bietet. Wissen, welches einen weiteren Schritt hin zu einer menschlichen Medizin darstellt, die als gleichermaßen evidenzbasiert wie auch ganzheitlich bezeichnet werden kann. 

Für 99 Euro können Sie sich jetzt Ihren dauerhaften Zugang zum Kongresspaket Burnout & Depression in der AMM Digitalwelt sichern.

Beitragsbild: geralt auf Pixabay