Symbolbild Stabilitaet: Aufgeschichtete Steine

Als Netzwerkpartnerin ist Annett Oehlschläger schon seit vielen Jahren mit der Akademie für menschliche Medizin verbunden. Bereits Ende 2017 veröffentlichte die Expertin aus Erfahrung ihr Ratgeber-Buch „Stabilität kann man essen?! – Bausteine zum Selbstmanagement bei bipolarer Störung“, von dem inzwischen mehr als 5.000 Exemplare verkauft wurden. Vor wenigen Monaten folgte das Onlineseminar „Stabilität kann man leben?!“, welches Annett Oehlschläger exklusiv über die AMM anbietet. Für uns ein Anlass einmal genauer nachzufragen, wie dieses Programm bisher bei anderen Betroffenen und in der Fachwelt angenommen wird.

Obwohl die Autorin und Dozentin ihre Ratschläge dezidiert am Krankheitsbild der Bipolaren Störung orientiert, sind die Erkenntnisse, die dabei zu Tage gefördert werden, auf viele weitere psychische Leiden übertragbar.

Gerade auch bei unipolaren Depressionen kann beispielsweise die Gabe von Omega-3 – wissenschaftlich erwiesen – die Leiden von Betroffenen signifikant lindern. Selbiges gilt für Vitamin D und das Sonnenlicht. Doch Annett Oehlschläger spannt in ihrem Buch und in ihrem Online-Seminar den großen Bogen. Insofern findet sich im Kurs kaum ein Mikro- oder Makronährstoff, der von ihr nicht aufgegriffen, besprochen und erklärt wird.

Künftig wird die AMM-Dozentin in vier Veranstaltungen vor Studierenden der Humanmedizin im Freien Wahlfach „Nutritional Psychiatry- Ernährungsmedizin in der Psychiatrie ihre Erfahrungen mit der Erkrankung und den Themen Ernährung und Psychische Gesundheit mit zukünftigen Ärztinnen und Ärzten teilen. Die Medizinische Universität Graz hat Annett Oehlschläger dazu kürzlich eingeladen. 

Ihre eigene Krankheitsgeschichte spielt bei all dem natürlich eine große Rolle. Bevor Annett Oehlschläger eben jene Ratschläge selbst anwendete, die sie heute an andere weitergibt, verbrachte die 61-Jährige immerhin ganze 571 Tage in psychiatrischen Kliniken. Seit ihrer Ernährungsumstellung ist kein einziger weiterer Tag hinzugekommen.

Grund genug für uns, um Annett Oehlschläger (AO) zum Interview zu bitten. Das gesamte Gesprächsprotokoll finden Sie weiter unten als PDF-Datei verlinkt:

AMM: Frau Oehlschläger. Sie beziehen sich in Ihrer Arbeit auch sehr stark auf Erfahrungswerte. Aber können Sie Ihre Aussagen denn wissenschaftlich belegen?

AO: Für mich ist die Behauptung, es gäbe keine wissenschaftlichen Beweise inzwischen ein „Totschlag-Argument“, also ein Argument, mit dem sämtliche weitere Diskussion unterbunden werden soll. Wer bereit ist, zu suchen, wird auch fündig. Ich mache mir die Arbeit vor allem, um den Betroffenen für ihre Diskussion mit dem Psychiater Material in die Hand zu geben, welches man nicht so einfach vom Tisch wischen kann, wie z.B. meinen Erfahrungsbericht.

AMM: Können Sie uns einige Beispiele für solche evidenzbasierten Studien nennen?

AO: Aber gerne, im März 2021 ist eine Meta-Analyse erschienen, die 149 Studien auswertet und zusammenfasst, die sich mit Folat, Homocystein, S-Adenosylmethionin (SAMe), L-Acetylcarnitin, Alpha-Liponsäure, N-Acetylcystein, L-Tryptophan, Zink, Magnesium, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Coenzym Q10 und Inositol beschäftigen. Diese Studie allein ist ein riesiger Wissensschatz

Zu nennen wäre zudem die SMILE-Studie von Prof. Jacka u.a. aus dem Jahr 2017, in der bewiesen wurde, dass eine mediterrane Ernährung schwere Depressionen mindert.

Auch gibt es neuere Studien, die sich nicht nur mit einem Vitalstoff beschäftigen, sondern mit antidepressiven Lebensmitteln. Ziel der Studie aus 2018 mit dem Titel „Antidepressive Lebensmittel: Ein evidenzbasiertes Nährstoff-Profil-System für Depressionen“ war es, die nährstoffreichsten Lebensmittel zu ermitteln, die zur Vorbeugung und Förderung der Genesung von depressiven Störungen und Symptomen geeignet sind, u.a. auch, um Ernährungsempfehlungen zu verfeinern und Klinikern dabei zu helfen, Patienten heute zu einer gesünderen Lebensmittelauswahl anzuleiten.

AMM: Wie ist Ihre persönliche Haltung zu Psychopharmaka?

AO: Ich habe nichts gegen Psychopharmaka. Mich haben sie in Akutphasen erst therapiefähig gemacht. Und ich würde sie wieder nehmen, wenn ich sie wieder bräuchte. Niemand kann in die Zukunft sehen, ich auch nicht. Ich weiß auch nicht, was mich noch erwartet und welche Trigger mich vielleicht destabilisieren. 

Ich habe aber etwas dagegen, dass begleitende Maßnahmen, die einfach und schnell Wirkung zeigen und vielleicht sogar die eine oder andere Nebenwirkung abfedern können, nicht genutzt werden. Der Apotheker Uwe Gröber, ein bekannter Autor und Mikronährstoffexperte, hat in mehreren Büchern dargestellt, dass Medikamente und eben auch Psychopharmaka Mikronährstoff-Räuber sind. Wenn Psychopharmaka unumgänglich sind, und das ist bei der bipolaren Störung leider oft so, dann gehört es aus meiner Sicht zu den Pflichten des Arztes, die unerwünschten Nebenwirkung zu gut wie möglich zu minimieren. Der Grundsatz „maxime nihil nocebit“(lat.), „vor allem nicht schaden“ (deutsch), gilt auch hier. Auf solche, inzwischen gut erforschten Möglichkeiten zu verzichten, ist aus meiner Sicht eine ungenutzte Chance für alle Beteiligten. Denn ich bin sicher, dass auch der Arzt möchte, dass es seinem Patienten besser geht.

Im weiteren Gespräch wird deutlich, dass für Annett Oehlschläger die Arbeit mit den unmittelbar Betroffenen eine große Rolle spielt. Diese zu motivieren, sich mit ihrer Ernährung und ihrem Lebensstil auseinanderzusetzen und ihnen dafür das nötige Werkzeug, aber auch treffende Argumente mitzugeben – und auch mit ihrer eigenen Krankheits- und Genesungsgeschichte dafür Vorbild zu sein, das ist Annett Oehlschlägers persönliche Mission. Und auch aus unserer Sicht eine sehr sinnstiftende Tätigkeit. Lesen Sie das gesamte Gespräch in der vollständigen Fassung.  » Das vollständige Gespräch mit Annett Oehlschläger als PDF

Gerne können Sie Annett Oehlschläger und ihre Geschichte in der Digitalwelt der AMM auch persönlich kennenlernen:

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Alternativ bietet sich ein Gespräch an, welches Prof. Dr. med. Jörg Spitz mit Annett Oehlschäger vor einigen Monaten führte, wenn Sie an einer Detailbetrachtung interessiert sind:

Wege zur psychischen Stabilität – Annett Oehlschläger und Prof. Dr. Jörg Spitz über Bipolare Störung


Fazit: Psychische Stabilität beruht auf vielen Lebensstileinflüssen. Das Verständnis dieser Faktoren und die gezielte Einflussnahme durch Patient und Arzt mit einer eigenverantwortlichen bewussten Umsetzung von Lebensstiländerungen kann helfen, den Einsatz pharmakologischer Mittel auf ein Mindestmaß zu beschränken oder ganz zu eliminieren. Annett Oehlschläger ist ein leuchtendes Beispiel  für diesen erfolgversprechenden Ansatz.

Titelbildquelle:

Foto von Shiva Smyth von Pexels

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