Alexander Lange
Ein altertümliches Uhrwerk

Inhaltsverzeichnis

„Die Chronobiologie ist die Lehre vom zeitlichen Rhythmus biologischer Prozesse. Dies umfasst sowohl Jahres-, Monats- und Wochenrhythmen wie auch zirkadiane, etwa 24-stündige, und ultradiane Rhythmen mit einer kürzeren Periodenlänge.“ (Rodenbeck, 2021)

Grundlagen der Chronobiologie

In der Schlafforschung und Schlafmedizin bedient man sich der Chronobiologie, um mittels spezieller Diagnosemethoden den individuellen Chronotyp zu ermitteln. Kennt man diesen, kann man das Schlaf-Wachverhalten und die Ernährung und Bewegung des Patienten/Klienten optimaler gestalten. Außerdem wird im Rahmen dieses Wissenschaftszweiges analysiert, welche Medikamente zu welcher Tageszeit zu geben sind, um besser zu wirken (Chronopharmakologie). Darüber hinaus erarbeitet man im Kontext der zirkadianen Medizin neue Lösungen, um beispielsweise mit unterschiedlichen Lichtexpositionen den Lebensrhythmus auf Intensivstationen zu verbessern und damit den Heilungsverlauf positiv zu beeinflussen.

Der zirkadiane Rhythmus beschreibt den Tagesrhythmus, der circa 24 Stunden andauert. Reguliert wird er vom Sonnenlicht bzw. vom Tag-/Nacht-Rhythmus. Er hat außerdem Einfluss auf unsere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, auf unseren Ruhemodus sowie auf viele Hormone. Gesteuert wird er vom sogenannten SCN, dem Suprachiasmatischen Nucleus im Hypothalamus im Gehirn. Dieser ist unsere „innere Uhr“ bzw. unser Taktgeber. Es gibt allerdings auch in jeder Körperzelle innere Uhren, wie die Wissenschaft zwischenzeitlich herausgefunden hat. Damit werden Organfunktionen zeitlich gesteuert. Ist die Funktion dieser inneren Uhren gestört, kann das u.a. zu Stoffwechselstörungen führen. (Zingl, 2021)

Den eigenen zirkadianen Rhythmus kennen lernen

Den zirkadianen Rhythmus kann man allerdings nicht nur in der Nacht nutzen, um beispielsweise sein Schlafverhalten seinem individuellen Chronotypen anzupassen, sondern man kann ihn auch am Tag mittels der Herzratenvariabilität HRV messen. Dann wird er BRAC genannt, also basic-rest-activity-cycle, und beschreibt einen 90/20-Rhythmus. Das bedeutet, dass es tagsüber einen 90-minütigen basalen Ruhe-Aktivitätszyklus gibt. Die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung lässt etwa alle 90 Minuten nach, worauf eine etwa 20-minütige Ruhephase folgt. (Gerhard Klösch, 2020) Kennt man seinen individuellen BRAC, kann man seine Arbeit- oder Sportaktivitäten entsprechend effektiver gestalten.

Kennt man seinen individuellen Chronotyp, also weiß man, ob man eher Lerche, Taube oder Eule ist, kann man sein Leben und seine Leistungsfähigkeit ebenfalls optimaler ausrichten. Ein Frühtyp (Lerche) ist beispielsweise morgens deutlich aktiver und aufnahmefähiger als ein Spättyp (Eule). Dementsprechend kann er seine sportlichen Aktivitäten, sein Lernen und Arbeiten oder auch die Nahrungsaufnahme anpassen und davon profitieren. In der Arbeitswelt findet die Chronobiologie inzwischen auch Gehör. Ob es um die Personaleinsatzplanung im Schichtdienst geht, um die Akzeptanz regelmäßiger Arbeitspausen oder um die arbeitnehmerindividuellen Fragen nach den besten kreativen Zeiten, den lerneffektivsten Zeiten, den sinnvollsten Zeiten für Entspannung, den geeignetsten Zeiten für das eigene Schlafbedürfnis, Essen und sportliche Betätigung. (Wieden, 2016)

In diesem Sinne hat folgender Satz grundlegende Bedeutung für unsere Gesundheit: „Einen Rhythmus zu haben, im Einklang mit diesem Rhythmus zu leben, bedeutet gesund zu sein.“ (Panda, 2019)

Bild: Ergebnisbericht zur RNA-Analyse des Chronotypen
Bild aus Ergebnisbericht zur RNA-Analyse des Chronotypen der Fa. Bodyclock Technologies UG, 2021

Literaturverzeichnis

  • Gerhard Klösch, P. H. (2020). Ermüdung und Arbeitsfähigkeit. Berlin: Springer-Verlag.
  • Panda, S. (2019). Der Zirkadian -Code. Kirchzarten: VAK Verlags GmbH.
  • Rodenbeck, A. (28. 12 2021). e.Medpedia. Von https://www.springermedizin.de/emedpedia/enzyklopaedie-derschlafmedizin/chronobiologie?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54672-3_32 abgerufen
  • Wieden, M. (2016). Chronobiologie im Personalmanagement. Wiesbaden: Springer Fachmedien.
  • Zingl, M. (26. 7 2021). idW - Informationsdienst Wissenschaft. Von https://idwonline. de/de/news773355 abgerufen

Alexander Lange ist professioneller Schlafcoach und Mitglied im Partnernetzwerk der AMM.

Beitragsfoto:

Bild von Alexey Savchenko auf Unsplash

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