Eine Studie aus dem Jahr 2023 [1]  hat die potenziellen Auswirkungen einer Besteuerung zuckergesüßter Getränke (SSBs = sugar-sweetened beverages) in Deutschland modelliert.

Was haben die Forscher herausgefunden?

Dazu wurde ein Mikrosimulationsmodell entwickelt und validiert, das auf nationalen Daten und internationalen Erkenntnissen basiert, um die Auswirkungen einer Besteuerung von SSB auf die Aufnahme von zugesetztem Zucker aus Getränken, den Body-Mass-Index (BMI), kardiometabolische Erkrankungen und die damit verbundenen wirtschaftlichen Kosten zu modellieren.

In dem Modell wurden 3 Besteuerungsarten für zuckergesüßte Getränke (SSBs) untersucht: (1) eine 20%ige Zusatzsteuer auf SBBs (2) eine erweiterte 20%ige Zusatzsteuer auf SSBs und Fruchtsaft; (3) eine gestaffelte Steuer, die zu einer Neuformulierung SSBs mit einem um 30% niedrigeren Zuckergehalt führt.

Und jetzt kommt der Hammer!

Die Besteuerung von SSBs in Deutschland könnte 132.100 bis 244.100 Fälle von Typ-2-Diabetes verhindern oder hinauszögern, 106.000 bis 192.300 qualitätsbereinigte Lebensjahre (QALYs) gewinnen und zwischen 2023 und 2043 10,8 bis 16,0 Milliarden Euro! an gesellschaftlichen Kosten einsparen, wobei die höchsten Auswirkungen für die gestaffelte Besteuerung angenommen werden.

Die absoluten langfristigen Gesundheitseffekte hängen weitgehend von der Relevanz der direkten, BMI-unabhängigen kardiometabolischen Effekte zuckergesüßter Getränke ab.

Die Forscher fassen zusammen:

„Alle modellierten SSB-Besteuerungsszenarien dürften die Gesundheit der Bevölkerung verbessern und die gesellschaftlichen Kosten in Deutschland senken, indem sie kardiometabolische Erkrankungen verhindern.

Unter Berücksichtigung aller Unsicherheitsfaktoren stellen wir fest, dass modellierte SSB-Besteuerungsszenarien, die zu einer Umformulierung in Richtung weniger Zucker führen, größere gesundheitliche und wirtschaftliche Auswirkungen auf die Bevölkerung haben könnten als solche, die Anreize für eine Änderung des Verbraucherverhaltens nur durch höhere Preise schaffen.

Aus Sicht der öffentlichen Gesundheit sollte die Besteuerung von SSB als politische Option für deutsche Entscheidungsträger in Betracht gezogen werden, um den Konsum von zugesetztem Zucker zu reduzieren und die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern.“

Was können als Bürger tun?

Während die Ergebnisse auf mehr als relevante positive Effekte einer solchen Steuer für die öffentliche Gesundheit hinweisen, sollten Verbraucher nicht auf gesetzliche Maßnahmen warten, sondern selbst proaktiv auf ungesunde Lifestyle-Getränke und andere Nahrungsmittel, die mit hohen Zuckeranteilen versehen sind, verzichten.

Warum zuckergesüßte Getränke ein Problem sind

Zuckergesüßte Getränke sind aufgrund ihres hohen Zuckergehalts mit zahlreichen Gesundheitsrisiken verbunden. Hier sind einige der wichtigsten gesundheitlichen Probleme, die durch den regelmäßigen Konsum dieser Getränke entstehen können:

1. Übergewicht und Adipositas

Zuckergesüßte Getränke tragen erheblich zur Gesamtenergieaufnahme bei, ohne ein Sättigungsgefühl zu erzeugen. Dies führt dazu, dass Personen mehr Kalorien zu sich nehmen, als sie verbrauchen, was schließlich zu Gewichtszunahme und im schlimmeren Fall zu Adipositas führt. Studien haben gezeigt, dass es einen starken Zusammenhang zwischen dem Konsum von zuckergesüßten Getränken und der Entwicklung von Übergewicht gibt, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen.

2. Typ-2-Diabetes

Der hohe Zuckergehalt dieser Getränke führt zu schnellen Anstiegen des Blutzuckerspiegels. Der Körper muss daraufhin mehr Insulin produzieren, um den Zucker zu verarbeiten. Über die Zeit kann diese erhöhte Belastung der Bauchspeicheldrüse zur Insulinresistenz führen, einem Vorläufer des Typ-2-Diabetes. Mehrere Studien haben einen direkten Zusammenhang zwischen dem regelmäßigen Konsum von zuckergesüßten Getränken und einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes nachgewiesen. Insulinresistenz begünstigt zudem die Entwicklung von Alzheimer-Demenz.

3. Herzerkrankungen

Zuckerhaltige Getränke sind nicht nur mit Diabetes und Übergewicht verbunden, sondern auch mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen. Die Aufnahme großer Mengen Zucker kann zu Entzündungen, hohem Blutdruck und ungünstigen Lipidprofilen führen, was wiederum das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen kann.

4. Zahngesundheit

Die Säuren und der Zucker in zuckergesüßten Getränken sind sehr schädlich für die Zähne. Sie fördern die Bildung von Zahnbelag und das Wachstum von Bakterien, die Säure produzieren, welche den Zahnschmelz angreift. Dies kann zu Karies, Zahnverfall und im schlimmsten Fall zum Verlust von Zähnen führen.

5. Leberbelastung

Ein hoher Konsum von Fructose, die in vielen zuckergesüßten Getränken reichlich vorhanden ist, kann zu einer Überlastung der Leber führen. Dies kann die Entstehung von nichtalkoholischer Fettleberkrankheit fördern, ein Zustand, der die Leberfunktion ernsthaft beeinträchtigen kann.

6. Abhängigkeit und gestörtes Essverhalten

Regelmäßiger Konsum von zuckergesüßten Getränken kann auch zu einem abhängigen Verhalten führen. Zucker löst im Gehirn Belohnungsreaktionen aus, die dem Effekt von Suchtmitteln ähnlich sind, was zu regelmäßigem Heißhunger und letztendlich zu einem gestörten Essverhalten führen kann.

Angesichts der erheblichen Gesundheitsrisiken, die mit zuckergesüßten Getränken verbunden sind, ist es empfehlenswert, diese Getränke zu meiden und gesündere Alternativen zu wählen. Während politische Maßnahmen wie Besteuerungen helfen können, den Konsum zu senken, liegt die letztendliche Verantwortung für die Gesundheit bei jedem Einzelnen. Durch informierte Entscheidungen können wir das Risiko für diese gesundheitlichen Probleme deutlich reduzieren und zu einem gesünderen Lebensstil beitragen.

Proaktiv statt reaktiv: Gesundheit in eigener Hand

Der Verzicht auf zuckergesüßte Getränke durch Eigeninitiative ist ein entscheidender Schritt zur Förderung der persönlichen Gesundheit und des Wohlbefindens. Nachfolgend finden Sie einige konkrete Maßnahmen, die jeder Einzelne ergreifen kann, um diesen Wechsel erfolgreich zu gestalten:

1. Bewusste Entscheidungen treffen

Der erste Schritt besteht darin, sich der Inhaltsstoffe und der gesundheitlichen Auswirkungen der konsumierten Getränke bewusst zu werden. Dies bedeutet, Etiketten zu lesen und Getränke mit hohem Zuckergehalt zu erkennen und zu meiden. Informieren Sie sich über die gesundheitlichen Risiken und entscheiden Sie sich bewusst gegen Produkte, die Ihrem Körper schaden könnten.

2. Gesündere Alternativen wählen

Ersetzen Sie zuckergesüßte Getränke durch gesündere Alternativen. Wasser sollte die erste Wahl sein, aber auch ungesüßte Tees, Mineralwasser mit einem Spritzer Zitrone oder Limette und selbst gemachte Smoothies sind gute Optionen. Diese Getränke bieten Hydratation ohne die negativen Auswirkungen von Zucker.

3. Langfristige Gewohnheitsänderungen

Der Verzicht auf zuckergesüßte Getränke erfordert eine Änderung der Lebensgewohnheiten, die nachhaltig sein sollte. Es geht nicht nur darum, eine zeitweilige Diät zu halten, sondern dauerhafte Ernährungsumstellungen vorzunehmen. Dies kann anfangs eine Herausforderung sein, doch mit der Zeit wird der Verzicht zur neuen Norm.

4. Erziehung und Vorbildfunktion

Eltern und Erziehungsberechtigte spielen eine entscheidende Rolle. Indem sie selber auf zuckergesüßte Getränke verzichten, setzen sie ein gesundes Beispiel für ihre Kinder. Es ist wichtig, Kinder früh über die Risiken von Zucker aufzuklären und sie zu ermutigen, selbst gesündere Getränke zu wählen.

5. Unterstützende Umgebungen schaffen & Teil einer Gemeinschaft werden

Gestalten Sie Ihre Umgebung so, dass die Wahl gesunder Optionen erleichtert wird. Halten Sie zu Hause, am Arbeitsplatz und sogar in der Schultasche gesunde Getränke bereit, um Versuchungen zu vermeiden.

Suchen Sie Unterstützung bei Gleichgesinnten, die ebenfalls ihre Ernährungsgewohnheiten verbessern möchten. Gemeinsame Ziele können durch Gruppenmotivation leichter erreicht werden. Online-Foren, lokale Gesundheitsgruppen oder sogar eine App zur Verfolgung Ihrer Fortschritte können hilfreiche Ressourcen sein.

Schlussfolgerung

Die Besteuerung zuckergesüßter Getränke kann ein nützliches Instrument sein, um den Konsum dieser Produkte zu reduzieren, doch sollten wir nicht darauf warten, dass der Staat eingreift. Vielmehr ist es an jedem Einzelnen, bewusste Entscheidungen zu treffen, die der eigenen Gesundheit zugutekommen. Indem wir selbst die Initiative ergreifen, tragen wir dazu bei, eine gesündere Gesellschaft zu schaffen. Lassen Sie uns also nicht warten – der erste Schritt zu einem gesünderen Leben beginnt mit Ihnen.

Quellen:

[1] Emmert-Fees KMF, Amies-Cull B, Wawro N, Linseisen J, Staudigel M, Peters A, et al. (2023) Projected health and economic impacts of sugar-sweetened beverage taxation in Germany: A cross-validation modelling study. PLoS Med 20(11): e1004311. https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1004311

Bildquellen:

Foto von Alexander Grey auf Unsplash

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