Pamela Rauleder
Stress beeinflusst Lebensenergie

Inhaltsverzeichnis

Was ist Stress?

Der Begriff „Stress“ kommt aus dem Englischen und lässt sich mit „Druck“ oder „Anspannung“ übersetzen. Stress führt zu psychischen und physischen Reaktionen des Körpers. Hervorgerufen wird Stress durch verschiedene äußere Reize, auch Stressoren genannt. Generell wird unterschieden zwischen gesundem Eustress und ungesundem Disstress. Eustress steigert die Leistungsfähigkeit kurzfristig, Disstress mindert die Gehirnleistung und macht auf Dauer krank. 

Das Stress-Reaktionsmuster hat sich im Laufe der Evolution entwickelt: In einer Gefahrensituation stellt sich der Körper auf Flucht oder Kampf ein. Es werden Adrenalin, Noradrenalin und Corticoide ausgeschüttet. Die Herzfrequenz und Durchblutung steigen, Glukose wird freigesetzt. Wer „unter Stress steht“, der verhält sich anders als in Normalsituationen. Stress ist eine körperliche wie auch psychische Belastung und kann auf Dauer zu verschiedenen Krankheiten führen. Bei chronischem Stress greift das Cortisol wichtige Gehirnzellen an. Die Stresshormone führen dann langfristig zu physiologischen und anatomischen Veränderungen im Gehirn.

Menschen in Deutschland fühlen sich zunehmend gestresst.

Laut einer neuen Umfrage der Techniker Krankenkasse steht mehr als ein Viertel der Befragten häufig unter Stress. Das sind 30 Prozent mehr als bei einer ähnlichen Befragung von 2013. Mit 64 Prozent fühlen sich knapp zwei von drei Menschen der zumindest manchmal gestresst. Die Corona-Pandemie hat das Stressempfinden noch verstärkt. Die Frage, ob das Leben seit Beginn der Pandemie stressiger geworden sei, beantwortete fast die Hälfte der Befragten mit „Ja“. Stressfaktor Nummer eins ist bei fast der Hälfte der Befragten, wie schon vor der Pandemie, Arbeit, Schule und Studium. Darauf folgen hohe Ansprüche an sich selbst, eine schwere Krankheit eines nahestehenden Menschen, oder Konflikte mit anderen Menschen. Aber auch ständige Erreichbarkeit durch Handy und soziale Medien wurden als stressig empfunden.[1]

Stress belastet den Körper und Geist.

Prof. Dr. Alfred Wolf betont: Stress einer der bedeutenden Risikofaktoren für die mentale Gesundheit. Durch Anspannungen, so Wolf, entsteht im Gehirn ein besonderer Anspruch, wobei eine Reihe von psychischen Störungen entstehen können wie beispielsweise Depression oder Angstzustände. Stress kann sich aber auch in der Form von Fatigue zeigen.[2] Fatigue ist eine dauerhafte Erschöpfung, durch die Betroffene nicht mehr uneingeschränkt am Alltag teilnehmen kann. Doch Dauerstress schadet nicht nur den Nerven, sondern auch dem Körper. So zeigte eine Studie beispielsweise, dass finanzielle Nöte und der damit verbundene Stress, das Sterberisiko nach einem Herzinfarkt erhöhen.[3] Auch in der Reproduktion kann Stress problematisch werden. Die Studie „Belastende Lebensereignisse und das Auftreten chronischer Krankheiten bei australischen Erwachsenen“ kam zu dem Ergebnis, dass unabhängig von persönlichen Merkmalen (Body-Mass-Index, Bluthochdruck und Behinderung) arbeitsbedingte, persönliche und familiäre belastende Lebensereignisse zur Entstehung oder zum Verlauf chronischer Erkrankungen beitragen.

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Risikofaktor für die Entstehung von chronischen Krankheiten

Der Zusammenhang zwischen Stress und chronischen Krankheiten ist komplex. Zu den Faktoren, die die Stressanfälligkeit beeinflussen, gehören die Gene, der eigene Bewältigungsstil, der Persönlichkeitstyp und die soziale Unterstützung. Aber nicht jeder Stress wirkt sich negativ aus. So haben Studien gezeigt, dass kurzzeitiger Stress das Immunsystem stärkt, chronischer Stress jedoch erhebliche Auswirkungen auf das Immunsystem hat, die letztendlich eine Krankheit manifestieren. Stress führt beispielsweise zur Ausschüttung von Histamin, das bei Asthmatikern eine schwere Bronchokonstriktion auslösen kann. Auch das Risiko für Diabetes mellitus wird durch Stress erhöht, da psychischer Stress den Insulinbedarf verändert. Stress beeinflusst die Säurekonzentration im Magen, was zu Magengeschwüren führen kann. Ebenso kann chronischer Stress zu Plaquebildung in den Arterien (Atherosklerose) führen, insbesondere in Kombination mit einer fettreichen Ernährung und einer sitzenden Lebensweise.[4]

Dieser Ted Talk in englischer Sprache (mit deutschen Untertiteln) veranschaulicht die Auswirkungen von Stress auf das Gehirn:

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Chronisch kranke Menschen leider oft unter hohem Stress

Chronische Krankheiten, wie zum Beispiel Krebs, führen oft zu einem erhöhten Stresslevel. Die Aufmerksamkeit fällt in vielen Fällen jedoch hauptsächlich auf die Behandlung der Krankheit, zum Beispiel in Form von Chemotherapie oder Medikamenten. Prof. Dr. Alfred Wolf, Experte für Präventionsbedingte Medizin betont die Wichtigkeit der ganzheitlichen und psychischen Betreuung von Patienten mit chronischen Krankheiten.[5]

Stress sabotiert eine gesunde Ernährung

Leider sabotiert Stress oft auch eine ausgewogene Ernährung oder andere gesunde Gewohnheiten. Sind wir gestresst, dann entscheiden wir uns häufig für das was sich gut anfühlt, und nicht für das, was vielleicht besser für unsere Gesundheit ist: Der Griff zum Bier und Chips anstelle einer ausgewogenen Mahlzeit. Professor Alfred Wolf erklärt dieses Phänomen, das bis hin zu ernährungsbedingten Krankheiten führt: Unser Gehirn braucht bis zu 50 Prozent an Glukose. Bei Belastungen kann der Glukoseverbrauch auf bis zu 90 Prozent ansteigen. Diese Energie fehlt dem Körper dann an anderer Stelle. Daraus kann schnell eine Bedarfssituation entstehen.

Wie viel Stress kann man aushalten?

„Wie viel Stress man aushalten kann, ist von Person zu Person sehr unterschiedlich, aber jeder Mensch hat eine Grenze. Wenn zu viele Belastungen zusammenkommen und es keine Pausen gibt, in denen man die Energiespeicher wieder aufladen kann, besteht die Gefahr, in eine psychische Krise abzurutschen“.[6]

Dr. Isabella Helmreich (psychologische Psychotherapeutin und wissenschaftliche Leiterin des Bereichs „Resilienz und Gesellschaft“ am Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz.)

Fazit: Stress abbauen – so geht’s!

Die meisten Menschen wünschen sich weniger Stress und ein angenehmeres, leichteres Leben. Doch wie? Prävention ist einfacher, als einen Burnout zu kurieren. Wieso also nicht gleich heute anfangen, ihr Leben etwas vom Stress zu entlasten?

Wichtig ist vor allem, die eigenen Akkus regelmäßig wieder aufzuladen. Für den einen bedeutet das regelmäßig Sport, für den körperlichen Ausgleich zu machen. Andere profitieren von Angeboten zur Entspannung, zum Beispiel Yoga & Atmung, Meditation oder Progressive Muskelentspannung. Aber auch die sozialen Verbindungen und Zeit für Freunde und Familie leisten einen wichtigen Beitrag zur Entschleunigung und zur Steigerung des Wohlbefindens, vor allem nach der Erfahrung der Lockdowns der letzten zwei Jahre.

Nicht immer ist es jedoch mit relativ einfachen Alltagsmaßnahmen getan. Besonders bei chronischem Stress sollten Coaches oder Therapeuten in Anspruch genommen werden. Gerade auch traumatherapeutische Ansätze oder die Lösung tiefer liegender Konflikte können helfen, um die Summe der Stressoren dauerhaft zu minimieren.

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Literaturangaben:

  1. Aerzteblatt: Menschen in Deutschland stehen häufiger unter Stress
  2. Dr Alfred Wolf: Stress und das egoistische Gehirn
  3. Aerzteblatt: Finanzieller Stress verzögert Erholung nach Herzinfarkt
  4. Salleh, Mohd Razali: „Life event, stress and illness.”  - The Malaysian journal of medical sciences : MJMS vol. 15,4 (2008): 9-18.
  5. Prof. Dr. med. Alfred Wolf über Tumor Fatigue 
  6. Ruhr Nachrichten: Erst Corona, jetzt Krieg in der Ukraine, wie kommt die Psyche damit klar?

Beitragsbild:

Foto von Pim Chu auf Unsplash


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