Ein Herz voll Sonne – positive Wirkung von Vitamin D bei Herzinsuffizienz

Franziska Wissen

Franziska Wissen

2012 Studium an der Maastricht University (Master of Health Promotion and Health Education). Selbstständige Gesundheitswissenschaftlerin in Projekten der ganzheitlichen Gesundheitsförderung, u.a. in der Raucherentwöhnung, Tabak- und Alkoholprävention, Unternehmenscoaching (Ernährung, Bewegung und Stressmanagement). Mitglied des Vorstandes bei der Deutschen Gesellschaft für Paläoernährung (DGPE).
Franziska Wissen

 

Patienten mit einer chronischen Herzinsuffizienz leiden oft an Vitamin D Mangel. Dies kann unter anderem damit zusammen hängen, dass die chronische Herzinsuffizienz überwiegend ältere Menschen betrifft. Diese halten sich weniger im Freien/in der Sonne auf und produzieren im Vergleich zu jüngeren Menschen außerdem weniger Vitamin D bei gleicher Einwirkung von Sonnenlicht. Da Vitamin D-Mangel den gesamten Organismus negativ beeinflussen und das Immunsystem schwächen kann, haben diese Patienten in Bezug auf die Herzinsuffizienz eine schlechtere Prognose und ein erhöhtes Risiko weitere Krankheiten zu erleiden.

Brandaktuelle Studie

Die (randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde) Studie (März 2016) der Forschergruppe um Dr. Witte, aus Leeds in Großbritannien, untersuchte deshalb ein Jahr lang die Wirkung von Vitamin D3-Zufuhr bei Herzinsuffizienz-Patienten.

Die Patientengruppe, bestehend aus 229 Herzinsuffizienz-Patienten (Durchschnittsalter 70 Jahre) mit Vitamin D Mangel (< 20ng/mL) und einer durchschnittlichen Ejektionsfraktion von 26% (prozentualer Anteil des Bluts, den das Herz mit jedem Herzschlag ausstößt; bei gesunden Menschen liegt dieser Wert in der Regel zwischen 60 und 70 %) wurden für die Studie in 2 Gruppen eingeteilt. Beide Gruppen erhielten ihre üblichen Therapien: Betablocker, ACE-Hemmer und Herzschrittmacher. Zusätzlich wurde die Vitamin D Gruppe 1 Jahr lang täglich mit einer Tablette Vitamin D3 (4000 I.E.) und die Placebo Gruppe mit einem Placebo, dass nicht auf Kalzium basierte versorgt.

 


Hier können Sie die komplette Studie nachlesen:

Effects of Vitamin D on Cardiac Function in Patients With Chronic HF: The VINDICATE Study

[Witte KK, Byrom R, Gierula J, Paton MF, Jamil HA, Lowry JE, Gillott RG, Barnes SA, Chumun H, Kearney LC, Greenwood JP, Plein S, Law GR, Pavitt S, Barth JH, Cubbon RM, Kearney MT, Journal of the American College of Cardiology (2016), doi: 10.1016/j.jacc.2016.03.508.]


Ergebnisse

Nach einem Jahr konnten die Daten von 163 der bis zum Ende teilnehmenden Patienten ausgewertet werden.

Als primären Endpunkt hatten die Forscher Veränderungen in einem körperlichen Leistungstest, der 6-Minuten-Gehstrecke, festgelegt. Nach einem Jahr zeigten sich hier allerdings keine signifikanten Verbesserungen in den beiden Gruppen. Als sekundären Endpunkt hatten die Forscher Veränderungen der Herzfunktionen und speziell der oben beschriebenen Ejektionsfraktion in der linken Herzkammer gesetzt. Hier zeigten sich dann klare Unterschiede:

Im Vergleich zur Placebo-Gruppe hatten die Teilnehmer bessere Ergebnisse in den echokardiografischen Messungen der linksventrikulären Funktionen. Dabei hatte sich nach einem Jahr ihre Ejektionsfraktion signifikant um 6,07 % verbessert.

Einige der Patienten konnten in der Folge auf die Implantation eines Cardioverter-Defillibrators (ICD) verzichten, welcher eine zusätzliche Operation und Kosten verursacht hätte.

Das Ergebnis der Studie lässt die Forschergruppe vermuten, dass eine ausreichend hoch dosierte und tägliche Zufuhr von Vitamin D3 bei Herzinsuffizienz-Patienten die Perspektive verbessern könnte.

Bis die zusätzliche Gabe von Vitamin D3 als offizielle Empfehlung in den Richtlinien erscheint, werden noch Studien folgen müssen, die den positiven Effekt von Vitamin D bestätigen.

Fazit

Es ist schon erstaunlich und doch auch wieder typisch, dass selbst nach einer solchen evidenzbasierten Studie mit einer signifikanten Verbesserung der Herzfunktionen durch die Gabe von Vitamin D weitere Untersuchungen gefordert werden, bevor man zur konsequenten Supplementation für diese Risikogruppe schreiten möchte. Hinzu kommt der Aspekt, dass bereits eine beträchtliche Anzahl ebenfalls positiver Studien mit vergleichbaren Ergebnissen existiert – sofern das Studiendesign korrekt war (eindeutiger Vitamin D Mangel zu Beginn der Studie und eine ausreichend hohe, tägliche Dosis Vitamin D).

In Bezug auf die geschilderte Problematik hat die Versorgung mit Vitamin D nur Chancen und keine bekannten Risiken. Da Vitamin D3 viele zusätzliche präventive Effekte hat, sollte ein Vitamin D-Mangel in jedem Fall ausgeglichen werden.

Natürlich liegt die Entscheidung, ob und wann man mit einer Zufuhr von Vitamin D3 beginnt bei jedem selbst, aber die hier vorgelegten Fakten helfen bei dieser Entscheidung ganz wesentlich!

 

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