Dr. Stefan Bogdanov
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Zur Epidemie der Nichtübertragbaren Krankheiten, die weltweit jährlich über 40 Millionen Tote fordert, gehört auch, dass die Hirn-Erkrankungen Alzheimer, Multiple Sklerose, Parkinson, und weitere stetig zunehmen. Vor allem Menschen in entwickelten Staaten sind hiervon betroffen.

Die Gründe hierfür sind vielfältig: Die Lebenserwartung und so auch das durchschnittliche Alter der Gesellschaften steigt, die Umweltbelastung nimmt zu, der Lebensstil wird ungesünder. Neurodegenerative Krankheiten sind somit multifaktoriell und lassen sich nicht mit einzelnen Medikamenten heilen, wie sie von der Schulmedizin eingesetzt werden.

So sehr die Pharmaindustrie auch daran interessiert ist, eine Wunderpille zu finden, alle bisherigen Versuche blieben erfolglos: Das Rätsel der chronischen Gehirn-Krankheiten kann nur gelöst werden, wenn wir uns von der Symptom-Unterdrückung abwenden, und die zugrunde liegenden Wurzel-Ursachen in den Fokus der Diagnostik und Behandlung rücken. Die drei oben genannten und besonders häufig vorkommenden neurodegenerativen Gehirn-Krankheiten stehen – wie wir mittlerweile wissen – mit einer Vielzahl von Einflüssen in Verbindung:

  • Risikofaktoren: Genetik, Alter und Geschlecht
  • Umwelt: Schadstoffe, Elektromagnetische Felder (EMF)
  • Lebensstil: Ernährung, körperliche- und geistige Aktivität, Stress und Schlaf

Die individualisierte Lebensstil-Medizin kann die neurodegenerativen Prozesse stoppen

Alle neuro-degenerativen Erkrankungen sind progressive Prozesse, bei denen sich die Symptome mit der Zeit verschlimmern. Für die Betroffenen scheint es keinen Ausweg zu geben. Auch gibt es bislang kein Medikament, welches Alzheimer verlangsamen oder stoppen kann.

Die Medikamente gegen Multiple Sklerose und Parkinson vermindern die Symptome der Krankheiten, können aber die Hirn-Degeneration nicht aufhalten, so dass sich in der Regel die Krankheitssymptome mit der Zeit verschlimmern.

Hoffnung bietet allerdings der ganzheitliche Ansatz der funktionellen Medizin, denn die Wurzel-Faktoren sind für jede Hirn-Krankheit und für jeden Patienten unterschiedlich. Das therapeutische Vorgehen muss deshalb an jeden Patienten angepasst werden. Dieser Behandlungsansatz benötigt Zeit und die Möglichkeit des Arztes sich wirklich auf seine Patienten einzulassen. Leider steht unser Gesundheitssystem heute oft im Widerspruch mit dieser Notwendigkeit. Dabei belegen zahlreiche praktische Erfahrungswerte längst, dass nur so der Weg zur Heilung eingeschlagen werden kann.

Durch individualisierte Lebensstil-Medizin (englisch: Functional Medicine) lassen sich die neurodegenerativen Prozesse aufhalten und sogar umkehren. Bei der Alzheimer-Krankheit werden diesem Ansatz nach keine Medikamente angewendet, bei Parkinson und MS werden sie am Anfang der Therapie beibehalten, bei erfolgreicher Therapie können sie eventuell abgesetzt oder ihre Dosis vermindert werden.

Alzheimer und Multiple Sklerose

Die Arbeitsgruppen von Dale Bredesen und Richard Isaacson, USA, wendeten die Methode der individualisierten Lebensstil-Medizin erfolgreich an 274 Patienten im frühen bzw. Vorstadium von Alzheimer an.  Für jeden Patienten wurde ein individueller Therapieplan ausgearbeitet, mit dem die mangelhaften Lebensstil-Ungleichgewichte therapiert wurden. Im Durchschnitt musste jeder Patient regelmäßig ca. 15 bis 20 verschiedene Lebensstil-Maßnahmen befolgen. Diese Maßnahmen betrafen Diät, Bewegung, Stress, geistige Aktivität, soziale Vernetzung und Schlaf der Versuchsteilnehmer.

Eine ähnliche Vorgehensweise wurde erfolgreich von George Jelinek und seinen Mitarbeitern mit 2.500 MS-Patienten aus der ganzen Welt angewendet.

Die Quintessenz der Therapien bei beiden neurodegenerativen Krankheiten lautete: Bei allen Patienten wurde eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten oder der MS-Symptome festgestellt, je früher im Krankheitsprozess die Therapie begann, desto besser war der Erfolg.

Parkinson

Beim Parkinson gibt es noch keine Fach-Publikationen über erfolgreiche Anwendung der Functional Medicine. Einige Bücher (s. Literaturliste) zeigen allerdings die erfolgreiche Anwendung der Integrativen Lebensstil-Medizin auf. Die angewendeten Maßnahmen betreffen die gleichen Wurzel-Ursachen wie bei Alzheimer und MS, nur die Gewichtung der Bedeutung der verschiedenen Faktoren ist anders. Auch hier gibt es für jeden Patienten eine maßgeschneiderte Therapie.

Auch wenn die Forschung hier noch oft in den Kinderschuhen steckt, so zeigt sich durch Behandlungserfolge immer deutlicher, dass der Ansatz der Functional Medicine und einer Behandlungsform, welche Lebensstil-Faktoren in den Fokus rückt, höchste Beachtung geschenkt werden wollte.

Umsetzung der Functional Medicine in die Praxis 

Besonders beeindruckend sind in diesem Zusammenhang auch die Informationen, die das Projekt Life-SMS der Deutschen Stiftung für Gesundheitsinformation und Prävention (DSGiP) zusammengetragen hat. Das Behandlungskonzept von Life-SMS, welches Patienten der Multiplen Sklerose konkrete, umsetzbare Werkzeuge an die Hand gibt, ruht auf sechs Säulen. Nur eine – die schmalste – stützt sich dabei auf die Wirkung von Pharmazeutika. Sonne und Vitamin D, Ernährung und Mikronährstoffe, Darmflora und Mikrobiom, Sport und Training, Stressreduktion und psychisches Gleichgewicht sind die entscheidenden Elemente, welche diesem Ansatz nach bei der Behandlung der Multiplen Sklerose im Fokus stehen.

5 Säulen von LifeSMS

In einer zweiten Auflage veröffentlichte das Projekt gerade das E-Book MS ist keine Einbahnstraße - Mehr Geschichten aus dem wahren Leben mit Multipler Sklerose, in dem 15 Betroffene von Multipler Sklerose von ihrer Krankheit und ihrem Heilungsweg berichten.

Wir sollten lernen, solch erfahrungsbasierte Therapien wieder stärker in den Mittelpunkt bei der Behandlung von Krankheiten zu rücken, anstatt einseitig auf klinische, placebo-kontrollierte Doppelblind-Studien zu vertrauen. Auch ist bei den multikausalen neurodegenerativen Krankheiten das Versuchsschema «Versuch gegen Kontrolle» unmöglich. Hier muss die Forschung umdenken! Wer heilt, hat nicht automatisch recht, doch wenn einer Vielzahl von Patientinnen und Patienten überall auf der Welt nachweislich mit der individualisierten Lebensstil-Medizin geholfen werden konnte, sollte dies von der Mainstream-Medizin beachtet werden.


Ausführliche weitere Informationen sowie eine ausführliche Literatur- und Bücherliste über viele Aspekte der Hirn-Gesundheit gibt es auch auf www.gehirn-gesundheit.ch, besonders ans Herz legen möchte ich Ihnen dabei folgende Detailinformationen:

Gehirn-Gesundheit

Alzheimer Prävention und Umkehr

Parkinson: Prävention und Kontrolle durch Lebensstil-Medizin

Multiple Sklerose: Prävention und Kontrolle durch Lebensstil-Medizin

Titelbild: FotoEmotions on Pixabay.