Hohe Dosen – neue Chancen? Die Behandlung von Autoimmunerkrankungen mit Vitamin D (Coimbra Protokoll)

Helena Jansen

Helena Jansen

Freiberufliche Gesundheitswissenschaftlerin [Master of Health Education and Promotion, 2012] - in Projekten rund um Prävention und Gesundheitsförderung tätig
Helena Jansen

Nicht verpassen: Am kommenden Wochenende (27.10. und 28.10.18) wird der Kongress für menschliche Medizin 2018 für alle Interessenten kostenfrei online ausgestrahlt! Prof. Coimbra ist dabei!

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Der brasilianische Arzt Prof. Cicero Coimbra sorgt mit seinem Behandlungsansatz der Multiplen Sklerose und anderen Autoimmunerkrankungen in Form der Hochdosis-Vitamin D Therapie noch immer für kontroverse Diskussionen. Um die Chancen und Risiken der Behandlung einschätzen zu können, hilft ein Blick auf die medizinischen Hintergründe.

Vitamin D-Resistenz als Grundlage der Autoimmunerkrankungen

Coimbra geht davon aus, dass bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen eine genetisch vererbte, teilweise Resistenz gegen die Wirkung von Vitamin D vorliegt. Aufgrund dieser Veranlagung besteht eine gesteigerte Wahrscheinlichkeit, eine Autoimmunerkrankung zu entwickeln.

Im Rahmen des Behandlungsansatzes von Coimbra wird das Ausmaß dieser Resistenz durch die Messung des Parathormons (PTH) bestimmt, das als Reaktion auf Vitamin D-Gaben sinkt. Dementsprechend wird die für jeden Patienten spezifische Vitamin D-Dosis anhand der Reaktion des Parathormonspiegels festgelegt.

Dabei kommen allerdings Tagesdosen zum Einsatz, die nach heutigem Verständnis toxisch sein können (orale Dosen von 30.000 bis zu 300.000 I.E. Vitamin D pro Tag). Zum Vergleich: Über intensive Sonneneinstrahlung kann die Haut bis zu 25.000 I.E. Vitamin D pro Tag selbst produzieren, weshalb eine derartige Tagesdosis in Form einer Supplementierung noch vertretbar erscheint. Doch wie sieht es mit der 10-fachen Dosis aus?

Ein Blick in die Vitamin D-Historie

Blickt man in die dreißiger und vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück, so waren derartig hohe Dosen bei der Behandlung von Asthma (60.000 bis 300.000 I.E.), rheumatoider Arthritis (200.000 bis 600.000 I.E.) und Tuberkulose (100.000 bis 150.000 I.E.) keine Seltenheit.

Nach längerer Verabreichung kam es bei vielen Patienten jedoch zu toxischen Reaktionen in Form einer Hyperkalzämie, was letztlich zu mehreren Todesfällen führte. Da praktische Methoden zur Messung von Vitamin D im Blut erst in den 1970er Jahren entwickelt wurden, wurden die Blutspiegel von Vitamin D, die mit dieser Toxizität assoziiert waren, seinerzeit nie bestimmt.

Wegen der unerwünschten Nebenwirkungen wurden die damals gängigen Hochdosis-Therapien durch viel niedrigere Dosen im Bereich von 400 I.E./Tag ersetzt. Bei diesen niedrigen Dosen blieb die klinische Wirksamkeit bei der Behandlung von Asthma, rheumatoider Arthritis und Tuberkulose allerdings aus. Lediglich die Prävention von Rachitis war bei dieser niedrigen Dosierung erfolgreich.

Ein neuer Anlauf bei bestimmten Erkrankungen: Das Coimbra-Protokoll

Mit den heute zur Verfügung stehenden medizinischen und labortechnischen Methoden hat sich Prof. Coimbra einer Wiederaufnahme der Hochdosis-Therapie in Form des „Coimbra Protokolls“ zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen angenommen. Zur Feststellung, welche Patienten auf das Behandlungsprotokoll bei welchen Dosen von Vitamin D positiv reagieren, laufen derzeit an verschiedenen Instituten Forschungsprojekte. Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet!

Auf dem Kongress für menschliche Medizin 2018 (Thema: Autoimmunerkrankungen) hat Dr. Coimbra seinen Behandlungsansatz erstmals persönlich in Europa vorgestellt (siehe Video unten). In seinem Vortrag erläutert er unter anderem die sogenannten „Bradford-Hill-Kriterien“, die bei der Beurteilung helfen, ob es eine tatsächliche Beziehung zwischen angenommener Ursache und Wirkung gibt (Beispiel: Rauchen und Lungenkrebs), oder ob es sich um ein Zufallsergebnis handelt (Beispiel: Häufigkeit von Storchennestern und Geburtenrate). Aus Sicht von Prof. Coimbra erfüllen Vitamin D-Resistenz und Vitamin D-Mangel alle neun Bradford-Hill-Kriterien und da seiner Ansicht nach bei fast allen Autoimmunpatienten eine Vitamin D-Resistenz vorliegt, ist für ihn damit die Grundlage für die Vitamin D-Hochdosistherapie gegeben.

Wichtiger Hinweis: Hohe Dosen Vitamin D sollten niemals im Selbstversuch ohne ärztliche und labortechnische Begleitung angesetzt werden! Der Versuch kann tödlich enden, da das Coimbra-Protokoll nicht nur die Dosierung von Vitamin D, sondern u. a. auch genau einzuhaltende Ernährungsvorschriften beinhaltet. Die Hochdosis-Therapie-Begleitung muss daher durch einen ausgebildeten Protokollarzt erfolgen.

Verfolgen Sie nun Prof. Coimbras Vortrag (Vortrag in Englisch) und bilden Sie sich selbst eine Meinung. Es war Prof. Coimbras persönlicher Wunsch, diesen Vortrag einer breiten Öffentlichkeit frei verfügbar zu machen und insofern ist er auf unserem Youtube-Kanal zeitlich unbegrenzt verfügbar.

Am kommenden Wochenende (27.10. und 28.10.18) wird der Kongress für menschliche Medizin 2018 für alle Interessenten kostenfrei online ausgestrahlt! Dort finden Sie einen weiteren Vortrag Prof. Coimbras, den er anläßlich des “1. Internationaler Workshop über Vitamin D Sensitivität und Hochdosis-Vitamin-D-Therapie” (Vortrag in Englisch) gehalten hat.

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