Autophagie – wie werfen wir die körpereigene Reinigungsmaschine an!?

Anno Jordan

Anno Jordan

Studium der Kernphysik Universität Köln, langjährige und heute andauernde Tätigkeit in IT- und Maschinenbauunternehmen. Projektmanagement der Initiative Life-SMS seit 2013. Publikationen und Beratung zu Präventionsaspekten und Lebensstileinflüssen bei Autoimmunerkrankungen (u.a. auch der MS). Die Arbeit schließt den systemischen Blick auf das Immunsystem als nichtlineares komplexes adaptives System mit ein und greift auf Ansätze aus der Physik zurück.
Anno Jordan

Zum Einstieg:

  • Autophagie bezeichnet die Fähigkeit des Körpers, beschädigte Zellen durch ihren Abbau zu beseitigen. Es ist ein wesentlicher Reinigungsprozess, der die Vermehrung neuer, gesunder Zellen fördert und ein grundlegender Aspekt der Zellverjüngung und Langlebigkeit ist.
  • Autophagie zerstört auch externe Eindringlinge wie Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger und entgiftet die Zelle von Schadstoffen.
  • Die Fähigkeit zur Autophagie verlangsamt sich mit zunehmendem Alter, und Autophagiedefekte tragen bekanntlich zu einer Vielzahl von Krankheiten bei, darunter Alzheimer und Parkinson.
  • Durch die Aktivierung der Autophagie oder die Reparatur des Autophagiemechanismus in den Fällen, in denen eine Funktionsstörung eingetreten ist, glauben Forscher, dass neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson erfolgreich behandelt werden können.

Es gibt bereits eine Reihe von Möglichkeiten, die Autophagie zu aktivieren und zu steigern. Wie zu erwarten, sind auch hier wieder Aspekte des Lebens dabei: Fasten, Bewegung und Essen von Autophagie-fördernden Nahrungsmitteln.

Autophagie-Aktivierung ist ein wirksamer Weg, um viele Krankheiten zu behandeln.

In der Publikation "Autophagie-Modulation als potenzielles therapeutisches Ziel für verschiedene Krankheiten" wurde schon 2012 herausgestellt:

“..darüber hinaus hat sich gezeigt, dass die Induktion der Autophagie die Langlebigkeit einer großen Anzahl von Arten erhöht und damit die Möglichkeit verbessert, dass Alterung und Langlebigkeit therapeutische Angriffspunkte für die Autophagieinduktion werden.

   Angesichts dieser Beobachtungen finden pharmakologische Ansätze zur Hochregulierung oder Hemmung dieses Weges derzeit große Beachtung. Zum Beispiel kann die Autophagie-Hochregulation bei bestimmten neurodegenerativen Erkrankungen von therapeutischem Nutzen sein, während die Autophagie-Hemmung als Strategie zur Behandlung einiger Krebserkrankungen untersucht wird."

Der sicherste Weg, diese Vorteile zu erreichen ist, die Autophagie auf natürliche Weise zu fördern.

Es gibt mehrere Lebensstrategien, die genau das tun. Eine der wichtigsten und effektivsten ist vielleicht das Fasten. Dazu muss man nicht zwingend eine “5-Tage Wasserfasten-Kur” machen, denn eine sanftere Methode, die die Autophagiefunktion verbessern kann, ist das intermittierende Fasten. Dies setzt voraus, dass Sie mindestens 12 Stunden am Stück nicht essen und diese Periode dann auf bis zu 16 Std. steigern. Dies ist die Zeit, die benötigt wird, um die Autophagie zu aktivieren. Das bedeutet dann, dass Sie alle Ihre Mahlzeiten für den Tag innerhalb eines Acht-Stunden-Fensters einnehmen müssen und während der Fastenzeit nichts essen dürfen.

Fasten regeneriert Ihre Bauchspeicheldrüse

Ein überzeugendes Beispiel für die Regenerationskraft des Fastens findet sich in einer aktuellen Studie, die zeigt, dass eine Fasten-imitierende Ernährung - gekennzeichnet durch Zeiten des Fastens und des Hungers (Einzelheiten siehe übernächsten Absatz) - den Diabetes umkehren und die Bauchspeicheldrüse tatsächlich regenerieren kann. Das Experiment, das an Mäusen durchgeführt wurde, wurde von Prof. Valter Longo, Professor für Gerontologie und Biowissenschaften und Direktor des USC Longevity Institute, geleitet.

Die Forscher entdeckten, dass durch das Aushungern und die Rückfütterung der Tiere in Zyklen insulinproduzierende Betazellen erzeugt wurden, die denen ähneln, die während der Entwicklung der Bauchspeicheldrüse beobachtet wurden. Beta-Zellen erkennen Zucker im Blut und geben Insulin ab, wenn der Blutzuckerspiegel zu hoch wird. Als Nebeneffekt der Wiederherstellung der Pankreasfunktion wurden auch diabetische Symptome umgekehrt. Insulinsekretion und Glukosehomöostase wurden sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetes-Modellen wiederhergestellt.

Die von Longo entwickelte “Fasten-imitierende Diät” bedeutet, dass Sie Ihre Kalorien für fünf Tage im Monat auf 75 Prozent weniger als Ihre normalen Kalorienaufnahme pro Tag beschränken. Dieser Ansatz verbessert die Compliance erheblich, da für viele eine fünftägige, nur auf Wasser basierende Kur zu schwierig ist. Den Rest des Monats dürfen Sie normal gesund essen.

Weitere Lebensstilstrategien zur Verbesserung der Autophagie:

  • Zyklisches Training. Jeden zweiten Tag 30 Minuten hochintensives Intervalltraining oder Widerstandstraining. Der akute Bewegungsstress löst die Autophagie ähnlich wie das Fasten aus.  
  • Nutzen Sie autophagieaktivierende bzw. -modulierende Lebensmittel. Dazu gehören u.a. Zitrusfrüchte-Bergamotte-Tee, grüner Tee und Kurkuma.
  • Stimulieren Sie die Adenosinmonophosphat-aktivierte Proteinkinase (AMPK) durch richtige Ernährung und ggf. Nahrungsergänzungsmittel. AMPK ist ein Enzym, das die mitochondriale Autophagie (Mitophagie) und die mitochondriale Biogenese stimuliert, sowie fünf weitere wichtige Signalwege: Insulin, Leptin, mTOR (mammalian target of rapamycin), insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1 (IGF-1) und Peroxisomen-Proliferator-aktivierter Rezeptor-Gamma-Coaktivator 1-alpha ((PGC-1 alpha).

    AMPK erhöht auch den Nervenwachstumsfaktor und schützt vor der Art von oxidativem Stress, der zur Parkinson-Krankheit führt.

    Mit zunehmendem Alter nehmen Ihre AMPK-Werte natürlich ab. Bestimmte Ernährungsgewohnheiten, wie zu viel ungesundes Fett und zu wenig gesunde Fette und zu wenig Flavonoide (Antioxidantien) hemmen ebenfalls die AMPK-Aktivität. Insulinresistenz ist auch ein starker Inhibitor von AMPK. Also, dieses Enzym durch richtige Ernährung aktiviert ist ein weiterer wichtiger Faktor für die Aufrechterhaltung einer gesunden Autophagie.  

Fazit:

Die Aktivierung der körpereigenen Autophagie ist ein einfacher Weg, um Gesundheit zu fördern und Krankheiten vorzubeugen. In Anbetracht der Tatsache, dass Ihre Gesundheit von gut funktionierenden Zellen abhängt, ist die Behandlung der Autophagie von großer Bedeutung und kann einen wesentlichen Beitrag zur Vorbeugung von Krankheiten, einschließlich neurodegenerativer Erkrankungen und Krebs, leisten. Ohne Autophagie werden Ihre Zellen schließlich mit Toxinen und Abfallstoffen überlastet, und sobald sie anfangen zu versagen und zu sterben, wird Ihr Körper nicht in der Lage sein, diese Zellen effizient zu beseitigen.

Die gute Nachricht ist, dass es nicht sehr schwierig ist, selbst die Autophagie zu fördern und zu optimieren. Fasten scheint der effizienteste Weg zu sein, aber auch Bewegung und das Hinzufügen bestimmter Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel sind hilfreiche Strategien.

Quellen:

Rubinsztein, D. C., Codogno, P., & Levine, B. (2012). Autophagy modulation as a potential therapeutic target for diverse diseases. Nature Reviews. Drug Discovery, 11(9), 709–730. http://doi.org/10.1038/nrd3802

Cheng, C.-W. W., Villani, V., Buono, R., Wei, M., Kumar, S., Yilmaz, O. H., Cohen, P., Sneddon, J. B., Perin, L., Longo, V. D., Feb. 2017. Fasting-Mimicking diet promotes Ngn3-Driven β-Cell regeneration to reverse diabetes. Cell 168 (5).


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Der Kongress für menschliche Medizin

Die Aufzeichnung aller Vorträge der Kongresse 2015 bis 2018 als Download

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Update 2016: Demenz

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