Anno Jordan

Gerade in Zeiten bei denen Lungenkrankheiten und deren Verbindung zu den Risiken einer Corona-Infektion hoch im Kurs stehen, schreckt eine Studie auf, die noch einmal die Schädlichkeit des Passivrauchens deutlich macht.

Niederländische, britische und amerikanische Forscher veröffentlichten kürzlich eine Querschnittsanalyse zur geschätzten weltweiten Sterblichkeit aufgrund der Belastung durch Passivrauchen zwischen 1990-2016.

Hintergrund der Studie war, dass die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass die 1 Milliarde Menschen, die weltweit rauchen, zu den 880.000 Todesfällen im Zusammenhang mit Passivrauchen unter den Personen beitragen, die nicht rauchen, und zwar jedes Jahr. 

Als Messgröße wurde die Zahl der Raucher berechnet, die für einen Toten aufgrund des Passivrauchens weltweit und in verschieden Weltbank-Regionen erforderlich sind.

In dieser epidemiologischen Querschnittsbeurteilung wurden Daten aus “Our world in data” verwendet, um die Zahl der Personen, die in jedem Land rauchen, und die Zahl der vorzeitigen Todesfälle im Zusammenhang mit Passivrauchen in diesem Land zu erfassen. Die durchschnittliche Anzahl der in allen Ländern konsumierten Zigaretten wurde ebenfalls in die Analysen einbezogen. Daten wurden für die folgenden Weltbank-Regionen erhoben: Nordamerika, Lateinamerika und Karibik, Europa und Zentralasien, Naher Osten und Nordafrika, Subsahara-Afrika, Südasien sowie Ostasien und Pazifik jeweils von 1990 bis 2016. 

In der Studie wurde ein sogenannter Packungsjahr-Index (pack-year index) als Maßzahl für die Intensität des Rauchens genutzt. 1 Packungsjahr ist dementsprechend 1 Jahr, in dem täglich eine Packung Zigaretten geraucht wird. Das Ganze wurde dann noch auf eine Standardpackung mit 20 Zigaretten normiert.

Der Packungsjahr-Index (PYI) misst dann die Anzahl der Packungsjahre des Rauchens im Zusammenhang mit dem Tod einer Person, die nicht raucht.

Dann wurde der Passivrauchen-Index (SHS-Index) bestimmt, der die Anzahl der Personen angibt, die 24 Jahre lang geraucht haben (d.h. die durchschnittliche Dauer des Rauchens), die mit dem Tod einer Person, die nicht raucht, in Verbindung steht.

Ergebnisse:  Weltweit veränderte sich der Passivrauchen-Index positiv, von 31,3 Rauchern, die im Jahr 1990 im Zusammenhang mit dem Tod einer Person, die 1990 nicht rauchte, auf 52,3 Raucher, die 2016 rauchten. Beim Passivrauch-Index 2016 gab es große regionale Unterschiede, von 42,6 Personen, die im Nahen Osten und in Nordafrika rauchten, bis zu 85,7 Personen, die in Nordamerika rauchten. Weltweit veränderte sich der Packungsjahr-Index ebenfalls positiv von 752 Packungsjahren im Zusammenhang mit einem Todesfall im Jahr 1990 auf 1256 Packungsjahre im Jahr 2016.

Fazit: Das mit dieser Studie erzielte Verständnis des Schadensausmaßes des Passivrauchens bei Nichtrauchern sollte hoffentlich das Bewusstsein für die Folgen des Rauchens noch weiter schärfen und dazu beitragen, zusätzliche Maßnahmen zum Schutz von Nichtrauchern, insbesondere von Kindern, zu entwickeln. Obwohl sich die Anzahl der Packungsjahre und die Anzahl der Raucher, im Zusammenhang mit dem Tod einer Person, die nicht rauchte, über den Studienzeitraum hinweg positiv veränderte, waren 2016 immer noch 52 Raucher, mit dem Tod eines Nichtrauchers, assoziiert. Nicht zu vergessen, dass alleine in Deutschland 120.000 Raucher jährlich selbst an den direkten Folgen des Rauchens sterben, weil die Gesellschaft offensichtlich nicht gegen die Tabaklobby ankommt und das Übel des Rauchens grundsätzlich beseitigt!

Gerade für Deutschland bleibt die Rückständigkeit beim endgültigen Verbot der Tabakwerbung (direkt oder indirekt) ein Armutszeugnis. Bitte helfen Sie mit, dass sich die Zahl der Packungsjahre der Nulllinie nähert!

 

Quelle:

Yousuf H, Hofstra M, Tijssen J, et al. Estimated Worldwide Mortality Attributed to Secondhand Tobacco Smoke Exposure, 1990-2016. JAMA Netw Open. 2020;3(3):e201177. doi:10.1001/jamanetworkopen.2020.1177

Photo by Markus Spiske on Unsplash

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