Die Tage werden länger, tanzen Sie los und Ihre grauen Zellen danken es Ihnen!

Anno Jordan

Anno Jordan

Studium der Kernphysik Universität Köln, langjährige und heute andauernde Tätigkeit in IT- und Maschinenbauunternehmen. Projektmanagement der Initiative Life-SMS seit 2013. Publikationen und Beratung zu Präventionsaspekten und Lebensstileinflüssen bei Autoimmunerkrankungen (u.a. auch der MS). Die Arbeit schließt den systemischen Blick auf das Immunsystem als nichtlineares komplexes adaptives System mit ein und greift auf Ansätze aus der Physik zurück.
Anno Jordan

So langsam merkt man es, die Tage werden wieder länger und man freut sich darauf, wieder häufiger und länger in der freien Natur aktiv sein zu können. Und genau dies ist in unserem genetischen Programm festgelegt und sichert unsere kognitive Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter.

Eine im Jahr 2016 veröffentlichte Studie zeigt sehr eindrucksvoll, dass ein breites Spektrum körperlicher Aktivitäten, von der Gartenarbeit bis zum Tanzen, das Gehirnvolumen verbessert und das Risiko für eine Alzheimer-Erkrankung um bis zu 50% reduziert. Diese Untersuchung, die von Forschern des UCLA Medical Center und der University of Pittsburgh durchgeführt wurde, ist die erste, die zeigt, dass praktisch jede Art von aerober körperlicher Aktivität die Gehirnstruktur verbessert und das Alzheimer-Risiko reduzieren kann.

Die Forscher untersuchten im Zusammenhang mit der 30 Jahre dauernden “Cardiovascular Health Study” eine Langzeitkohorte von 876 Patienten an vier Forschungsstandorten in den USA. Diese Teilnehmer, im Durchschnitt 78 Jahre alt,  absolvierten ein regelmäßiges Monitoring des Gedächtnisses, das auch Standardfragebögen über ihre Bewegungsmuster beinhaltete. Zusätzlich wurden MRT-Scans des Gehirns der Teilnehmer mit fortschrittlichen Computeralgorithmen analysiert, um das Volumen der Gehirnstrukturen zu messen. Dies umfasst auch Strukturen wie den Hippocampus, der maßgeblich für das Abspeichern von Informationen (Gedächtnis) verantwortlich ist und damit bei dem Auftreten der Alzheimer-Krankheit in Mitleidenschaft gezogen ist. Der Umfang körperlicher Aktivität der Teilnehmer korrelierte deutlich mit den Gehirnvolumina und umspannte eine Vielzahl von Bewegungsarten, von Gartenarbeit über Tanz bis hin zum regelmäßigen Training im Fitnessstudio.

Die Stärke der Studie liegt in der Betrachtung der über die körperlichen Aktivitäten produzierten Energie (als Funktion der verbrannten Kilokalorien) als Indikator für Masse und Volumen der grauen Gehirnsubstanz. Es wird also eine physikalisch messbare Größe mit einem biologischen Effekt in Verbindung gesetzt.

Die Ergebnisse der Analyse zeigen, dass zunehmende körperliche Aktivität mit größeren Hirnvolumina in den Stirn-, Temporal- und Parietallappen einschließlich des Hippocampus korreliert. Die Steigerung körperlicher Aktivität schafft demnach immense Vorteile und konnte in dieser Studie das Risiko für eine Alzheimer-Demenz um 50% senken. Auch die rund 25% der Befragten, die schon Zeichen leichter kognitiver Beeinträchtigungen zeigten, profitierten bei einer zunehmenden körperlichen Aktivität von einem größeren Gehirnvolumen.

Fazit:

Besser als der Chefredakteur des Journal of Alzheimer's Disease, Dr. George Perry, kann man es nicht ausdrücken: "Das derzeit größte Zukunftspotenzial in der Alzheimer-Forschung ist die Lebensstil-Intervention einschließlich mehr Bewegung. Raji et. al. stellen eine bahnbrechende Studie vor, die Bewegung mit einer Zunahme der grauen Substanz verknüpft und das Feld der Lebensstil-Intervention für eine objektive biologische Messung öffnet."

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein bewegungsreiches, erhellendes und gesundes Neues Jahr und tanzen Sie durch den Winter in den Frühling!

Und wenn Sie das Projekt Kompetenz statt Demenz der Deutschen Stiftung für Gesundheitsinformation und Prävention unterstützen wollen, winkt hier als Dankeschön ein erhellender Vortrag zum Thema...

 

Quelle: Raji, C. A., Merrill, D. A., Eyre, H., Mallam, S., Torosyan, N., Erickson, K. I., Lopez, O. L., Becker, J. T., Carmichael, O. T., Gach, H. M., Thompson, P. M., Longstreth, W. T., Kuller, L. H., 2016. Longitudinal relationships between caloric expenditure and gray matter in the cardiovascular health study. Journal of Alzheimer's disease : JAD 52 (2), 719-729. URL http://view.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26967227

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