Passend zum Weltkrebstag: Ballast- und Faserstoffe sind entscheidend für die Krebsprävention, wie eine aktuelle Lancet-Publikation zeigt

Anno Jordan

Studium der Kernphysik Universität Köln, langjährige und heute andauernde Tätigkeit in IT- und Maschinenbauunternehmen. Projektmanagement der Initiative Life-SMS seit 2013. Publikationen und Beratung zu Präventionsaspekten und Lebensstileinflüssen bei Autoimmunerkrankungen (u.a. auch der MS). Die Arbeit schließt den systemischen Blick auf das Immunsystem als nichtlineares komplexes adaptives System mit ein und greift auf Ansätze aus der Physik zurück.
Anno Jordan

Eindeutiger kann ein Ergebnis kaum sein. In einem aktuell im Lancet-Journal veröffentlichten Paper wurde der Einfluss verschiedener Faktoren, die die Qualität von Kohlenhydraten beschreiben, unter anderem in Bezug auf die Gesamtsterblichkeitsrate, sowie die Sterblichkeit bei Herzkreislauf-Erkrankungen, Darmkrebs sowie bei Krebserkrankungen insgesamt und Diabetes-Inzidenz untersucht. Einen Schwerpunkt dabei bildeten:

Ballast- und Faserstoffe

Knapp 135 Millionen Personenjahre Daten aus 185 prospektiven Studien und 58 klinischen Studien mit 4635 erwachsenen Teilnehmern wurden in die Analysen einbezogen. Die Beobachtungsdaten deuten auf einen durch Ballaststoffe bedingten Rückgang der Gesamt- und kardiovaskulären Sterblichkeit um 15-30% hin. Gleiches gilt für die Häufigkeit von koronaren Herzkrankheiten, Schlaganfall und der darauf bezogenen Mortalität, Typ-2-Diabetes und Darmkrebs, wenn man die die Personen mit der höchsten Aufnahme von Ballaststoffen mit denen mit der niedrigsten Aufnahme vergleicht.

Klinische Studien zeigen zudem ein deutlich niedrigeres Körpergewicht, niedrigeren systolischen Blutdruck und Gesamtcholesterinspiegel bei einer hohen Aufnahme von Ballaststoffen. Die Risikoreduktion war am größten, wenn die tägliche Zufuhr von Ballaststoffen zwischen 25 g und 29 g lag. Dosis-Wirkungskurven deuteten zudem darauf hin, dass eine noch höhere Zufuhr von Ballaststoffen einen noch größeren Nutzen zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes sowie Darm- und Brustkrebs bringen könnte. Ähnliche Ergebnisse wurden für den Verzehr von Vollkornprodukten beobachtet.

Faserstoffe ernähren unsere Mikrobiota (Darmflora) und das damit verbundene Mikrobiom (die genetische Vielfalt der Mikrobiota) macht nach neueren Forschungen ca. 80% unseres Immunsystems aus. Dieses Mikrobiom weist allerdings nur noch  ca. 75-80% der Diversität des Mikrobioms von Naturvölkern auf. Da gleichzeitig dieses “Naturvölkermikrobiom” dem Mikrobiom unserer Vorfahren (lt. paläontologischen Forschungen) gleicht, bedeutet dies, dass wir tunlichst jegliche auch kleine Dauerdiätfehler, die in der modernen Ernährung vorprogrammiert sind, vermeiden sollten.

Anders gesagt: Erhöhen Sie die Zufuhr von ballaststoffreichen, pflanzlichen Nahrungsstoffen soweit wie möglich. Konzentrieren Sie sich zudem auf gesunde Fette und Öle und vermeiden Sie industriell verarbeitete Lebensmittel und raffinierte Produkte. Eine Verringerung des Mortalitätsrisikos von 30% und mehr ist sicher nicht vernachlässigbar.

Wenn Sie mehr zum Thema Krebs als Stoffwechselerkrankung und den Zusammenhängen mit unserem wenig “artgerechten” Lebensstil lernen wollen, sei Ihnen auch besonders die Vortragsreihe des Kongresses für menschliche Medizin unter dem Motto ”Neue Perspektiven zur Entstehung und Therapie von Krebserkrankungen” empfohlen.

Als Geschmacksprobe hier das Interview mit Prof. Spitz zum Kongress:

https://youtube.com/watch?v=vIZBHPt0cqM

Hier geht es zu den vollständigen Kongress- und Vortragsinformationen….

Es erwarten Sie 19 spannende Vorträge die von der Betrachtung des Krebses als Systemerkrankung, über Einflussfaktoren bis hin zu Therapien im Sinne einer menschlichen Medizin reichen.

In diesem Sinne: bleiben Sie gesund und informiert!

Ihre

AMM


Quelle: Reynolds, A., Mann, J., Cummings, J., Winter, N., Mete, E., Te Morenga, L., Jan. 2019. Carbohydrate quality and human health: a series of systematic reviews and meta-analyses. Lancet (London, England).