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Kurzgefasst: Menschenstopfleber: Die verharmloste Volkskrankheit Fettleber. – Nicolai Worm

Johanna Ebrecht

Johanna Ebrecht

ist examinierte Physiotherapeutin und Ärztin (Studium der Humanmedizin an der RWTH Aachen, 2016)
Johanna Ebrecht

Aus der Vortragsreihe des 3. Kongresses für menschliche Medizin 2016, Schwerpunktthema Demenz

https://www.youtube.com/watch?v=m6_IHv8hdKY

Der vollständige Vortrag ist Teil des digitalen Kongresspakets KMM2016:

KMM2016 – Das digitale Kongresspaket


Hier die essentiellen Aussagen:

  • Die NASH (Nichtalkoholische Steatohepatitis/entzündete Fettleber) ist die neue Volkskrankheit. Allein in Deutschland sind schätzungsweise ca. 30-40% der Erwachsenen betroffen.
  • Die Fettleber zählt als unabhängiger Risikofaktoren für kardiometabolische (Herz- und Stoffwechsel) Erkrankungen.
  • Definition: Eine NASH liegt vor bei einer Leberverfettung von mehr als 5% sowie einem täglichen Alkoholkonsum < 20 g bei Frauen und < 30 g bei Männern.
  • Die Ursache sind neben genetischen Faktoren vor allem Lebensstilfaktoren wie Über- und Fehlernährung, Schlaf- und Lichtmangel, unzureichende Bewegung, Distress („schlechter“ Stress), Mangel an Nährstoffen u.a.
  • Die Fettleber entsteht bei einem Ungleichgewicht zwischen Fetteintrag und -verbrauch in der Leber. Der größte Eintrag kommt dabei nicht etwa aus dem Nahrungsfett sondern aus der Lipolyse (Spaltung von Fetten) der eigenen Adipozyten (Fettzellen).
  • Zunächst dehnen sich die Adipozyten bei einem Überangebot an Fetten aus. Bei maximaler Ausdehnung werden neue Fettzellen gebildet. Für eine gesunde Ausdehnung des Fettgewebes ist es wichtig, dass parallel auch versorgende Kapillaren (kleinste Blutgefäße) gebildet werden. So können die Zellen optimal mit Sauerstoff versorgt werden. Herrscht jedoch eine Unterversorgung des Fettgewebes in Form von Hypoxie (Sauerstoffmangel) und oxidativem Stress, folgen Entzündung und Insulinresistenz. Bleibt ein Überangebot an Fetten bestehen, kommt es zu einem „Auslaufen“ der Adipozyten. Das Fett sammelt sich in der Bauchhöhle und um die inneren Organe v.a. die Leber herum. Letztendlich führt dies zu einer Dysfunktion der Organe.
  • Das Problem sind somit vor allem dysfunktionale Fettzellen. Bewegung hingegen verbessert die Angiogenese (Bildung von Gefäßen) im Fettgewebe. Anders gesagt: Sport führt nicht primär zu einer Verminderung des Fetts, vielmehr hält körperliche Aktivität die Fettzellen fit und gesund.
  • Eine Fettleber geht nicht automatisch mit einem erhöhten Body Mass Index oder sichtbarem Bauchfett einher. Auch dünne Menschen, sog. Tofis (thin outside, fat inside), können an einer Fettleber und Verfettung der inneren Organe erkrankt sein.
  • Der zweitgrößter Anteil des Leberfetts stammt aus Nahrungskohlehydraten: durch eine Insulinresistenz können Kohlenhydrate nicht mehr im Muskel gespeichert werden, sondern lagern sich als Fett in der Leber an.
  • Die postprandiale Hyperinsulinämie (übermäßiger Anstieg des Insulins nach einem kohlehydratreichen Essen) hat Auswirkungen auf die De Novo Lipogenese (Neubildung von Fettzellen). Diese wird durch die Aktivierung von Transkripitionsfaktoren um das 3-4 fache gesteigert.
  • Zusätzlich hat eine ballaststoffarme Ernährung wahrscheinlich zur Folge, dass die „falschen“ Bakterien im Darm angezüchtet werden und die guten Bakterien verdrängt werden. Die Folge ist eine Entzündung und vermehrte Durchlässigkeit der Darmwand (leaky gut). Die bakteriellen Toxine dringen in den Blutkreislauf ein und landen auf direktem Wege in der Leber.
  • Hinsichtlich der Ernährung sollten Patienten mit einer Fettleber primär Kohlenhydrate und nicht Fette reduzieren.

Und jetzt noch passende Literaturtipps: 

von Giulia Enders

Erscheinungsjahr 2014


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Fett macht nicht FETT!!!!

Franziska Wissen

Franziska Wissen

2012 Studium an der Maastricht University (Master of Health Promotion and Health Education). Selbstständige Gesundheitswissenschaftlerin in Projekten der ganzheitlichen Gesundheitsförderung, u.a. in der Raucherentwöhnung, Tabak- und Alkoholprävention, Unternehmenscoaching (Ernährung, Bewegung und Stressmanagement). Mitglied des Vorstandes bei der Deutschen Gesellschaft für Paläoernährung (DGPE).
Franziska Wissen

Eine ganz aktuelle (online veröffentlicht am 6. Juni 2016) randomisiert-kontrollierte Studie aus Spanien, die mehr als 7000 Probanden über 5 Jahre lang begleitete, bestätigt nochmals, dass die Angst vor Fett unbegründet ist. Die Studie kommt zu folgendem Ergebnis: FETT mach nicht FETT!

ABER es gilt zu beachten: Es muss nach wie vor das richtige Fett sein!

Die Studie

In der aktuellen Studie von Estruch et. al wurden 7447 Frauen und Männer (90% waren übergewichtig), die entweder Typ 2 Diabetes oder mindestens 3 kardiovaskuläre Risikofaktoren hatten, per Zufall 3 unterschiedlichen Ernährungsgruppen zugeteilt:

  1. Olivenöl-Gruppe: Mediterrane Kost mit viel Olivenöl ohne Einschränkung der Kalorienzufuhr
  2. Nuss-Gruppe: Mediterrane Kost mit vielen Nüssen ohne Einschränkung der Kalorienzufuhr
  3. Kontrollgruppe: Empfehlung die Fettzufuhr über die Nahrung zu reduzieren

Ergebnisse

  • Gesamtfettzufuhr: In der Kontrollgruppe hat die Gesamtfettzufuhr von 40% auf 37,4% nach 5 Jahren abgenommen. In beiden „Mediterrane Kost“-Gruppen hat die Fettzufuhr leicht zugenommen, dafür die aufgenommene Eiweiß und Kohlenhydratmenge abgenommen.
  • Gewicht: Alle Teilnehmer nahmen im Durchschnitt ab. Die größte Gewichtsreduktion wurde in der Olivenöl-Gruppe (-0,88 kg) gemessen. Sie unterschied sich von der Kontrollgruppe (-0,60 kg) und der Nuss-Gruppe (-0,40 kg) signifikant.
  • Taillenumfang: Der Taillenumfang nahm bei allen Probanden zu. Die größte Zunahme erfolgte in der Kontrollgruppe (+ 1,2 cm), gefolgt von der Olivenöl-Gruppe (+ 0,85cm) und der Nuss-Gruppe (+ 0,37 cm).

Das Ergebnis dieser umfangreichen Studie zeigt zum wiederholten Male, dass es letztlich nicht die „Fette“ sind, die unseren Körper „verfetten“ lassen. Die größte Gewichtsabnahme zeigte sich in der Olivenöl-Gruppe, die sich signifikant von der Kontrollgruppe unterschied. Beim Taillenumfang ergab sich eine geringe, altersbedingte Zunahme – wobei diese Zunahme bei der Kontrollgruppe mit Abstand am größten war.

Es gibt mittlerweile etliche Studien, die diese Ergebnisse bestätigen und noch immer sind die Ernährungsempfehlungen, die in Deutschland von der DGE gesteuert werden, nicht auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.

Beispiel „Flexi-Carb“ (Nicolai Worm, 2015)

Es gibt bereits ausgearbeitet Ernährungsmodelle/ Empfehlungen, angepasst auf die seit Jahren bekannten „Erkenntnisse“ der Stoffwechselvorgänge in unserem Körper und vor allem auf unseren modernen Lebensstil. Bei Flexi Carb (Nicolai Worm, 2015) „verdient“ man sich z. B. die extra Kohlenhydrate durch Bewegung. Gute Fette spielen hier eine besonders wichtige Rolle. Aber auch Kohlenhydrate und Eiweiße kommen nicht zu kurz, allerdings gilt es hier darauf zu achten die „richtigen“ auszuwählen. N. Worm geht auf die unterschiedlichsten Aspekte im Zusammenhang mit unserem modernen Lebensstil und der sich damit veränderten Ernährungsempfehlung ein. Die Verbindung zwischen Kohlenhydraten und Diabetes, Übergewicht, Schlaf und Bewegung werden erläutert und verständlich in den Kontext der „gesunden“ Lebensweise gebracht. Das schöne an Flexi-Carb ist, dass es kein festes Ernährungsparadigma ist sondern eine flexible Empfehlung für die unterschiedlichsten Lebensstile die jeder für sich auch tagesabhängig variieren kann. Wer das Konzept einmal verinnerlicht hat, dem wird es leicht fallen das lästige Kalorienzählen ein für allemal aus seinem Leben zu streichen und nicht nur sein Wohlgefühl sondern auch seine Wohlfühl-Figur zu (er)halten.

Fazit

Wir brauchen endlich eine Überarbeitung der Ernährungsleitlinien! Da man in Kürze eine solche Änderung leider nicht erwarten kann, ist auch hier jeder selbst gefragt. „Ratgeber“ gibt es etliche – die Ernährungsbranche ist unglaublich vielseitig und es gibt die „tollsten“ Diäten für jeden Geschmack. Wer nicht dauerhaft „diäten“ möchte kann sich auch in unseren Faktenblättern informieren und findet themenbezogene Buchempfehlungen hier.

Das wichtigste aber ist: Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und auf das was Ihnen und Ihrem Körper gut tut!

 

Die Originalstudie können Sie hier nachlesen:

Lancet Diabetes Endocrinol 2016; online 6. Juni


Unsere Buchempfehlung zum Thema


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„Kalorie ist nicht gleich Kalorie“ – das Flexi-Carb-Konzept

Franziska Wissen

Franziska Wissen

2012 Studium an der Maastricht University (Master of Health Promotion and Health Education). Selbstständige Gesundheitswissenschaftlerin in Projekten der ganzheitlichen Gesundheitsförderung, u.a. in der Raucherentwöhnung, Tabak- und Alkoholprävention, Unternehmenscoaching (Ernährung, Bewegung und Stressmanagement). Mitglied des Vorstandes bei der Deutschen Gesellschaft für Paläoernährung (DGPE).
Franziska Wissen

In seinem neuen Buch „Flexi-Carb“ geht Prof. Dr. Nicolai Worm unter anderem auf dieses Thema ein: „Kalorie ist nicht gleich Kalorie“. Im Flexi-Carb-Konzept wird auf den Punkt zusammengefasst, wie unsere Ernährung mit unserem heutigen Lebensstil zusammen hängt und welche Bedeutung diese wechselseitige Beziehung für uns und unseren Körper hat. Das Thema gesunde Ernährung zieht sich als roter Faden durch die kurzweilige und interessante Darstellung der 223 Seiten langen Lektüre „Flexi-Carb“. Der „einfache“ und sehr bildhafte Schreibstil lässt jede Leserin und jeden Leser, ob Einsteiger in die Ernährungs-/Lebensstilbranche oder Spezialist, die Mechanismen des Körpers und deren Zusammenhänge mit unserer modernen Lebensweise verstehen.

„Flexi-Carb“ besteht aus 3 Kapiteln

Der erste Teil des Buches, beschäftigt sich mit der Theorie unserer heutigen Lebensstilproblematik und dessen Folgen für uns. Der Fokus liegt hierbei auf den Problemfeldern: Bewegungsmangel, Schlafmangel, Vitamin D- Mangel und Überschuss an Kohlenhydraten. Begonnen wird mit einem kurzen Einstieg über die Entstehung der Ernährungsempfehlungen. Danach rücken die wichtigen Energielieferanten, wie Kohlenhydrate und Fette aber auch Ballaststoffe, in den Fokus. Unter anderem wird die Thematik des „Fett Werdens“ diskutiert und dargestellt, warum eigentlich diesbezüglich die heute übliche Konzentration auf Kohlenhydrate eine besonders wichtige Rolle spielt. Auch wird der Unterschied zwischen „fitten und kranken“ Fettzellen erklärt und Ideen für die Praxis vorgestellt um „gesunde“ Fettzellen zu fördern! Abschließend geht Worm intensiv auf das Thema Insulinresistenz, Fettleber und das metabolische Syndrom ein.

Mit der Fragestellung: „Gibt es eine Ernährung für alle?“ geht es weiter zum nächsten Teil des Buches, welches vom Thema Mediterrane Kost, deren Mythen und Wahrheiten handelt. Auch hier wird unsere Ernährung nicht als alleiniger Erfolgsfaktor für Gesundheit gesehen. Stressreduzierung, ausreichend Sonne, genügend Schlaf, regelmäßige körperliche Aktivität und vielfältige soziale Kontakte werden im Zusammenspiel mit der Ernährung, als die ausschlaggebenden Faktoren fürs „gesund sein und bleiben“ identifiziert.

Der letzte Teil des Buches beschreibt das Flexi-Carb-Konzept im Detail, auf das der Leser schon neugierig geworden ist. Dieses basiert auf der LOGI-Diät, die von Prof. Dr. Ludwig und seinem Team in den USA ins Leben gerufen und in Deutschland von Prof. Dr. Worm seit 15 Jahren weiterentwickelt wurde. Mit dem Flexi-Carb-Konzept hat Nicolai Worm eine Ernährungsform entwickelt, die jeder Menschen mit seinem individuellen Lebensstil umsetzen kann. So unterscheidet er in der „modernen“ Lebensweise z.B. diejenigen, die überwiegend sitzen von denen, die sich viel bewegen und oft Sport treiben. Er geht außerdem auf Themen wie Milch, Vollkornprodukte und Fleisch (rotes vs. weißes) ein und liefert leckere Beispiel-Tagesmenüpläne à la „mediterraner Flexi-Carb“-Diät im Vergleich zu denen der veralteten Empfehlung der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung). Die Flexi-Carb-Ernährungspyramide und die 12 Flexi-Carb-Regeln verdeutlichen übersichtlich die wichtigsten Aspekte einer mediterranen Ernährung, die den Lebensstil reflektiert, Kohlenhydrate individuell anpasst und so für einen schlanken und gesunden Körper sorgt. Abschließend gibt es einen ansprechenden Rezeptteil, der unterschiedliche Kohlenhydrat-Stufen umfasst. Auf dem Essensplan stehen z.B.: Griechischer Gemüse-Hackfleisch-Eintopf, Pilz-Blumenkohl-Risotto und Schoko-Nuss-Quark mit Birnenstücken. Ein Kochbuch zur Flexi-Carb-Ernährung, das noch viele weitere interessante und leckere Rezeptideen beinhaltet, wurde von zwei Kolleginnen von Prof. Dr. Worm entwickelt und ist ab sofort im Handel erhältlich.

 

Unser Fazit und Tipps:

  1. Eine Lektüre die jeder bewusste Verbraucher in seinem Bücherregal haben sollte!
  2. Es kommt auf die richtige Kombination der Nahrungsmittel an!
  3. Persönliche Lebensstilfaktoren spielen eine wichtige Rolle beim Thema gesunde Ernährung.
  4. Es gibt keine Ernährungsform, die auf alle passt! Individuell variieren und eigene Entscheidungen treffen ist der wesentliche Schritt zur Lösung des Problems und Hilfestellung kann dieses Buch geben.
  5. Probieren Sie aus! Finden Sie Ihren persönlichen Lebensstil und passen Sie Ihre Ernährung mit Freude und Geschmack darauf an.

 



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