Florian Hauschild

Eigentlich klingt es selbstverständlich: Wer krank ist, geht zum Arzt. Doch ob dieser wirklich das ursächliche Problem beheben und heilen kann, oder ob ein Patient lediglich die Unterdrückung der Symptomatik zu erwarten hat, ist auch eine Frage der Gesundheitskultur und des Paradigmas, mit dem wir auf unseren Organismus blicken. Eine Neue Gesundheitskultur berücksichtigt deshalb auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Epigenetik. Zu diesem Thema sprach Prof. Jörg Spitz kürzlich mit Alexander Glogg vom Schweizer Gesundheits-Sender QS24: 
 

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Der Mensch ist keine programmierte Maschine: Warum wir die Epigenetik brauchen

Die Medizingeschichte hat bereits zahlreiche Paradigmenwechsel erlebt: Noch heute profitiert die Medizin von den Erkenntnissen der griechischen Klassiker. So wusste beispielsweise schon der legendäre Gelehrte Hippokrates von Kos um 400 v. Chr. von der zentralen Rolle, welche der Darm für alle Gesundheitsbelange spielt. Eine Erkenntnis, die gerade heute wiederentdeckt wird und zunehmende Beachtung findet. Doch es gab stets auch einige Irrungen und Wirrungen in der Geschichte der Humanmedizin. Die Vier-Säfte-Lehre etwa, die ihren Ursprung ebenfalls in der Antike hat, wurde bis ins 19. Jahrhundert praktiziert und gilt heute als überholt. 

Die zunehmende Technologisierung und Mechanisierung der Moderne hatten schließlich auch einschneidende Folgen für das vorherrschende Menschenbild und für unser Verständnis für die Funktionsweise unseres Organismus. Das Bild der Mensch-Maschine war geboren. Der Körper wurde fortan als eine Art biologischer Apparat betrachtet, den es bei Funktionsstörungen – genau wie die ersten Maschinen in den aufkommenden Fabriken – zu reparieren galt. 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts legte Gregor Mendel die Grundlagen der heutigen Genetik und Molekularbiologie. Ausgehend davon ging man lange davon aus, dass unsere Gene nahezu sämtliche Körperfunktionen steuern und auch primär über die Frage von Krankheit und Gesundheit entscheiden. Erst mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Zuge des Humangenomprojektes zur Jahrtausendwende wurde klar: Die rund 20.000 entdeckten Gene sind in ihrer Zahl weit geringer als vermutet und konnten unmöglich alle Abläufe im Körper allein steuern. 

Ein weiterer Paradigmenwechsel findet seitdem statt: Die Epigenetik, ein relativ junges und sich schnell entwickelndes Forschungsfeld, hat herausgefunden, dass nicht nur die Gene unser Leben beeinflussen, sondern unser Lebensstil auch unsere Gene. Der Medizin und unserer Gesundheitskultur beschert dies völlig neue Möglichkeiten und Ansichten. Für Erkrankte eröffnet sich darauf beruhend ein weites Feld von Interventions-, Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten. Denn die Epigenetik zeigt auch: Vieles haben wir selbst in der Hand, viel seltener als gedacht sind wir unserer genetischen Disposition ausgeliefert.

Grundlagen der Epigenetik: Die zentralen Aussagen kurz zusammengefasst

Die Epigenetik ist ein aufstrebendes Forschungsfeld, das die Wechselwirkungen zwischen Genen und Umweltfaktoren untersucht. Im Gegensatz zur klassischen Genetik, die sich auf die Sequenz der DNA konzentriert, befasst sich die Epigenetik mit molekularen Veränderungen, welche die Genexpression regulieren, ohne die DNA-Sequenz selbst zu verändern. 

Einer der zentralen Mechanismen der Epigenetik ist die DNA-Methylierung. Dabei wird eine Methylgruppe an bestimmte Stellen der DNA angehängt, was die Aktivität eines Gens beeinflussen kann. Eine erhöhte Methylierung führt in der Regel zu einer verringerten Genaktivität. Ein weiterer wichtiger Mechanismus ist die Histone-Modifikation. Histone sind Proteine, um die sich die DNA wickelt. Veränderungen in der Struktur dieser Proteine können ebenfalls die Genexpression beeinflussen. 

Die Epigenetik hat weitreichende Implikationen für unser Verständnis von Gesundheit und Krankheit. So können beispielsweise Umweltfaktoren wie Ernährung, Stress und Toxine epigenetische Veränderungen hervorrufen, die sich auf unsere Gesundheit auswirken. Interessanterweise sind einige dieser Veränderungen sogar reversibel. Das bedeutet, dass durch gezielte Interventionen, etwa durch Ernährungsumstellungen oder Stressmanagement, epigenetische Markierungen verändert und somit potenziell Krankheiten vorgebeugt oder sogar behandelt werden können. 

Die Epigenetik erweitert also nicht nur unser Verständnis der Genetik, sondern bietet auch neue Ansätze für die Prävention und Behandlung von Krankheiten. Sie stellt die Grundlage für eine personalisierte Medizin dar, die nicht nur genetische, sondern auch epigenetische Faktoren berücksichtigt. 

Was die Neue Gesundheitskultur aus der Epigenetik ableiten kann

Die Erkenntnisse der Epigenetik fordern uns dazu auf, über die Rolle von Genen und Umwelt in einem ganzheitlichen Kontext nachzudenken. Sie zeigen, dass wir nicht nur passive Empfänger unseres genetischen Erbes sind, sondern durch unsere Lebensweise aktiv Einfluss auf unsere Gene und damit auf unsere Gesundheit nehmen können.  

Diese Sichtweise öffnet den Blick für eine lebensstilbasierte und ursachenorientierte Gesundheitskultur, wie sie die Akademie für menschliche Medizin seit mehr als einem Jahrzehnt postuliert. Zu ihr gehören unter anderem: 

  • Fragen der Ernährung 
  • Ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen, Aminosäuren, Mineralien, Fettsäuren etc. 
  • Gesunder Schlaf und Zellregeneration 
  • Stressreduktion 
  • Körperliche Betätigung 
  • Vermeidung von Toxinen und weiteren schädlichen Umwelteinflüssen 
  • Mentale Gesundheit  

An zahlreichen Stellen auf unserer Webseite und auf unserem Youtube-Kanal finden Sie zu diesen Fragen vertiefende Inhalte.  

Das Haus der Hellen Köpfe und die Epigenetik

Nicht nur die entlarvende Gesundheitskrise der vergangenen Jahre hat es gezeigt: Es ist an der Zeit, basierend auf den historischen medizinischen Traditionen und mit Hilfe aktueller Erkenntnisse unsere Gesundheitskultur zu erneuern. Die Epigenetik formuliert hierfür das passende Paradigma. Doch ein solcher Sprung – und damit auch eine neue Medizin – kann nur gemeinsam, mit vereinten Kräften gelingen. Aus diesem Grund wird das Haus der Hellen Köpfe entstehen, welches organisatorisch die interdisziplinären Kräfte bündelt, die für einen solchen Wandel notwendig sind. 

Unsere Initiative, die zunächst organisatorisch von der Akademie für menschliche Medizin getragen wird, richtet sich an:  

  • Niedergelassene Ärzte, Therapeuten und Heilpraktiker, die in ihrem täglichen Beruf an vorderster Front erkennen, dass eine Neue Gesundheitskultur nötig ist   
  • Medienschaffende aus dem Bereich der medizinischen Aufklärung, Ernährungsberatung und des geistigen Wohlbefindens  
  • Coaches, Berater, Speaker und Autoren, die sich einer Neuen Gesundheitskultur verpflichtet sehen   
  • Unternehmen, welche Produkte herstellen, die Gesundheit tatsächlich fördern und dann   
  • All diejenigen, die Eigenverantwortung und Selbstbestimmtheit bei Prävention und Behandlung insbesondere chronischer Erkrankungen ernst nehmen
  • Wenn Sie aktiv an der Neuen Gesundheitskultur und im Haus der Hellen Köpfe mitwirken möchten, können sich bereits jetzt in unsere Interessentenliste eintragen. Hierfür reicht es aus, das Formular auf dieser Seite auszufüllen.

Epigenetik: Nicht die Gene steuern uns, sondern wir unsere Gene! | Prof. Dr. med. Jörg Spitz | QS24

Auch der Schweizer TV-Sender QS24 ist Teil der Neuen Gesundheitskultur. Im Gespräch mit Alexander Glogg erläutert Prof. Dr. med. Jörg Spitz, warum die Erkenntnisse der Epigenetik zentrale Ansatzpunkte für ein zeitgemäßes Medizin-Verständnis liefern. Teilen Sie dieses Video gerne mit Ihren Freunden, Bekannten und Verwandten. Auch so können Sie einen Beitrag für eine ursachenorientierte, menschliche Medizin leisten:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Wenn Sie aktiv an der Neuen Gesundheitskultur und im Haus der Hellen Köpfe mitwirken möchten, können sich bereits jetzt in unsere Interessentenliste eintragen. Hierfür reicht es aus, das Formular auf dieser Seite auszufüllen.

Die Neue Gesundheitskultur

Qualitative und menschliche Medizin, die möglichst ursachenorientiert, ganzheitlich und natürlich arbeitet – dies ist unser Wunsch für einen neuen Standard in unserem Gesundheitssystem. Die Neue Gesundheitskultur ist eine Plattform für Informationen, Partner und Interessierte, die dieses Mindset teilen.

Wenn Sie auf dem neuesten Stand bleiben möchten, senden wir Ihnen künftig gerne alle Informationen zu den wichtigsten Themengebieten in diesem Kontext auch per E-Mail zu. Abbonieren Sie dazu einfach unseren Kanal-Newsletter.